Unter dem Motto "Würde, Verantwortung, Demokratie" haben zahlreiche deutsche Kulturschaffende einen Brief unterzeichnet, in dem sie die Ablösung von CSU-Chef Horst Seehofer als Bundesinnenminister fordern. In dem Aufruf, zu dessen Initiatoren der Dramatiker Moritz Rinke und der Schriftsteller Jan Böttcher gehören, heißt es auf der eigens eingerichteten Website seehofermussgehen.de: "Sein Verhalten ist provozierend, rückwärtsgewandt und würdelos gegenüber den Menschen. So verstellt er den Weg in eine zukunftsfähige deutsche Gesellschaft." Seehofer einige das Land nicht, er spalte es. "Wir sind entsetzt."

Zu den Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern gehören 290 prominente Künstler, Schauspieler, Regisseure, Autoren, Musiker und Journalisten. Darunter sind der Journalist Günter Wallraff und der bisherige Berlinale-Chef Dieter Kosslick, Schauspielerinnen und Schauspieler wie Peter Lohmeyer, Jochen Busse, Burghart Klaußner, Meret Becker und Hugo Egon Balder, die Musikerin Inga Humpe, Filmemacher und Regisseurinnen wie Emily Atef, Andres Veiel und Dietrich Brüggemann sowie Autorinnen Judith Schalansky, Ronja von Rönne und Terezia Mora.

Die Kulturschaffenden zeigen sich entsetzt darüber, "dass der Bundesinnenminister fortwährend die Arbeitsfähigkeit der Bundesregierung sabotiere und dem internationalen Ansehen des Landes schadet; dass er die Migrationsfrage zur 'Mutter aller politischen Probleme' erklärt und damit 18,6 Millionen Menschen, die mit migrantischen Wurzeln in Deutschland leben, in Geiselhaft nimmt und als eine Ursache dieser 'Probleme' hinstellt". Der Brief wirft Seehofer zudem vor, dass er die rassistischen und kriminellen Übergriffe bei der Chemnitzer Demonstration bagatellisiere. 

Weiter heißt es: "Wir erkennen nicht mehr, dass sich Horst Seehofer seiner politischen Verantwortung für die Bundesrepublik Deutschland bewusst ist. Seine enthemmten Bierzeltreden und unschlüssigen Pressekonferenzen tragen maßgeblich dazu bei, dass sich der Ton der politischen Auseinandersetzung in diesem Land öffentlich verschärft – und dass dadurch auch die AfD ihre rechtspopulistische und rechtsradikale Entgleisungsrhetorik immer weitertreibt."

Die Kulturschaffenden werfen Seehofer vor, "die Werte unserer Verfassung" zu beschädigen. "Wir erkennen nicht mehr, dass sich Horst Seehofer seiner politischen Verantwortung für die Bundesrepublik Deutschland bewusst ist", schreiben sie und kommen zu dem Fazit: "Horst Seehofer sollte – noch vor der Landtagswahl in Bayern – vom Amt des Bundesinnenministers zurücktreten." In Bayern wird am 14. Oktober gewählt.