Der US-amerikanische Comicautor Stan Lee ist tot. Der Schöpfer von Superhelden wie Spider-Man und Iron Man starb am Montag in Los Angeles, wie der Anwalt seiner Tochter mitteilte. Lee wurde 95 Jahre alt. In den vergangenen Jahren war Lee immer wieder erkrankt.

Zusammen mit dem Zeichner Jack Kirby schuf Lee in den 1960er-Jahren für den Verlag Marvel Comics unter anderem den Hulk und die X-Men. Es gelang ihm, die Comicindustrie neu zu beleben, indem er Superhelden mit menschlichen Schwächen entwarf: Daredevil ist blind, Hulk hat unkontrollierte Wutausbrüche. Peter Parker, der als Spider-Man die Wände von Hochhäusern erklimmt, sollte als durchschnittlicher Junge erscheinen – anders als etwa Batman, der privat als Millionär Bruce Wayne lebt. 

Lees Comics wurden in mehr als 25 Sprachen übersetzt und in mehr als 75 Ländern veröffentlicht. Insgesamt schuf Lee mit Zeichnern rund 350 Comicfiguren. Viele davon wurden in den vergangenen Jahren in Hollywood auch zu Hauptdarstellern erfolgreicher Kinofilme. In mehr als zwei Dutzend Filmen aus dem Marvel-Imperium hatte Lee auch Gastauftritte. König T'Challa, der Titelheld des Erfolgsfilms Black Panther von 2018, geht ebenfalls auf eine Comicfigur Lees und Kirbys zurück.

"Heute haben wir einen echten Superhelden verloren", schrieb die Oscar-Akademie auf Twitter. "Stan Lee, danke für alles." Die Schauspielerin Jamie Lee Curtis schrieb: "Du warst und wirst für immer ein Superheld sein."

Lee wurde am 28. Dezember 1922 als Sohn rumänischer Einwanderer als Stanley Martin Lieber in New York geboren. Noch als Teenager begann er 1939 als Assistent beim Verlag Timely Comics. 1941 veröffentlichte er als Aushilfsredakteur seine ersten Arbeiten, kurz darauf schuf er bereits seine erste eigene Comicfigur namens Destroyer und stand mit dem Künstlernamen Stan Lee im Heft. Den nahm er später auch als bürgerlichen Namen an. 1961 wurde er Chefredakteur des Comicverlags, der sich kurz darauf von Timely Comics in Marvel umbenannte. Später war er auch Marvel-Verleger. Im November 2008 erhielt er vom damaligen US-amerikanischen Präsidenten George W. Bush im Weißen Haus die National Medal of Arts verliehen, die höchste Kunstauszeichnung der US-Regierung.