Bürger*innen, Student_innen oder gar Lehr_er_innen: Es gibt mittlerweile einige gängige Schreibweisen für gendergerechte Sprache. Doch in das Regelwerk der deutschen Sprache wird zunächst keine davon aufgenommen. Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat sich bei seiner Tagung in Passau einstimmig dafür ausgesprochen, den Sprachgebrauch weiter beobachten zu wollen. 

"Die Erprobungsphase verschiedener Bezeichnungen des dritten Geschlechts verläuft in den Ländern des deutschen Sprachraums unterschiedlich schnell und intensiv", sagte der Vorsitzende Josef Lange. Durch Verfassungsgerichtsentscheidungen in Deutschland und Österreich sei die Diskussion beschleunigt worden. Diese solle nicht durch vorzeitige Empfehlungen und Festlegungen des Rats beeinflusst werden. Das Recht der Menschen, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zugehörig fühlen, angemessen sprachlich bezeichnet zu werden, sei "ein Anliegen, das sich auch in der geschriebenen Sprache abbilden soll", heißt es im Ergebnispapier des Rates.

Der Rat sei sich bewusst, dass geschriebene Sprache mit Blick auf die Darstellung von Lebenswirklichkeiten sehr unterschiedlich wahrgenommen werde, schreiben die Mitglieder des Rates weiter. Die Schreibweisen, mit denen unterschiedliche Geschlechter dargestellt werden, müssten zur Kenntnis genommen und geprüft werden. "Sie können aber nicht jeweils für sich Allgemeingültigkeit und Verbindlichkeit für die geschriebene Sprache beanspruchen", teilte das Gremium mit.

Sternchen und Tiefstrich

In der geschriebenen Sprache gibt es dem Rat zufolge derzeit sowohl grammatische als auch orthografische Ausdrucksmittel für geschlechtergerechtes Schreiben. Orthografisch sind das etwa das Sternchen (Asterisk) und der Tiefstrich (Gendergap). Möglich ist auch der Zusatz "divers" (m, w, d).

Ausdrücklich verwiesen die Rechtschreibexperten auch auf das generische Maskulinum. Dieses verwendet das grammatische männliche Geschlecht unabhängig vom biologischen Geschlecht (Beispiel: "Wann kommt der Handwerker?").

Bereits bei seiner Sitzung im Juni in Wien war der Rat darin übereingekommen, dass Gendersprache verständlich und lesbar, vorlesbar, grammatisch korrekt, eindeutig und rechtssicher sowie übertragbar – im Hinblick auf deutschsprachige Länder mit mehreren Amts- und Minderheitensprachen – sein soll. Das Gremium kündigte an, weiterhin den Schreibgebrauch in verschiedenen Medien und Gruppen analysieren zu wollen.