Im Namen des US-amerikanischen PEN-Clubs haben mehr als 100 Künstlerinnen, Autoren und Journalistinnen einen offenen Brief an UN-Generalsekretär António Guterres geschickt. Darin fordern sie die Vereinten Nationen auf, eine sofortige und unabhängige Untersuchung der Tötung an dem saudischen Journalisten Jamal Khashoggi zu veranlassen. Unterzeichnet wurde der Brief von Prominenten wie Meryl Streep, Arundhati Roy, Teju Cole, Siri Hustvedt, Alec Baldwin, Margaret Atwood, Orhan Pamuk, Chimamanda Ngozi Adichie, Ian McEwan, Cynthia Nixon, J. K. Rowling, Bob Woodward und Herta Müller.

Nach Angaben der Istanbuler Staatsanwaltschaft wurde Khashoggi vor vier Wochen im saudischen Konsulat in Istanbul erwürgt. Danach sei seine Leiche zunächst zerstückelt und dann in Säure aufgelöst worden, sagte ein Berater des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Bisher wurden 18 Tatverdächtige festgenommen; es ist noch unklar, welche Rolle die Regierung Saudi-Arabiens in dem Fall spielt.

Sollten sich die bisherigen Annahmen bestätigen, so das Schreiben der Künstler, stelle der Mord eines Journalisten in einer diplomatischen Einrichtung nicht weniger dar als einen "Akt des Staatsterrors, der es darauf anlegt, Journalisten, Dissidenten und Kritiker im Exil auf der ganzen Welt einzuschüchtern". Khashoggis Tötung sei eine schwerwiegende Verletzung der Menschenrechte und markiere eine beunruhigende Eskalation des Umgangs Saudi-Arabiens mit unliebsamen Meinungen. Die dortige Regierung habe in den vergangenen Jahren zahllose Autoren, Journalisten, Menschenrechtsaktivisten und Anwälte verhaftet, heißt es in dem Brief.

Den Fall werten die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner als weiteres Beispiel dafür, dass Journalisten weltweit für ihre Arbeit inhaftiert oder getötet werden. "Wir als Autoren und Journalisten befürchten eine abschreckende Wirkung in einer Zeit, da die Arbeit derer, die sprechen und die Wahrheit aufdecken, besonders wichtig ist."

In ihrem Brief beziehen sich die PEN-Autorinnen auf Artikel 19 der Menschenrechtserklärung, der die Meinungsfreiheit schützt und 2012 von der UN mit einem gesonderten Aktionsplan für die Sicherheit von Journalisten bestärkt wurde.