Frankreich sollte Kulturerbe aus der Kolonialzeit an Afrika zurückgeben. Das ist das Resultat einer von Staatspräsident Emmanuel Macron in Auftrag gegebenen Studie. Demnach sollten alle Objekte zurückgegeben werden, die ohne Zustimmung der ursprünglichen Eigentümer und Produzenten nach Frankreich kamen. Wie französische Medien berichten, sind mindestens 90.000 Objekte betroffen.

Die Autoren der Studie, der senegalesische Wirtschaftswissenschaftler Felwine Sarr und die französische Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy, bekräftigen damit Macrons Forderung nach einer "vorübergehenden oder endgültigen Rückgabe des afrikanischen Erbes an Afrika". Im November 2017 hatte Macron bei einem Besuch in Ouagadougou angekündigt, dass die Voraussetzungen dafür innerhalb der nächsten fünf Jahre geschaffen werden sollten.

Ein Hindernis bei der Rückgabe ist das französische Recht: Der Code du patrimoine, der die französischen Rechtsvorschriften über das kulturelle Erbe beinhaltet, verbietet eine offizielle Veräußerung von Kunstwerken aus nationalen Sammlungen.

Im Gespräch mit der französischen Tageszeitung Libération schlägt Felwine Sarr deswegen eine Abänderung des Codes vor, "die es ermöglicht, alle Umstände zu berücksichtigen und das Einwilligungskriterium geltend zu machen". Die Studie fordert auch eine Umkehr der Beweislast. Damit obläge es künftig den Museen zu beweisen, dass Kunst- oder Kulturgegenstände nicht unrechtmäßig erworben wurden.

Nach Ansicht des Hamburger Kolonialhistorikers Jürgen Zimmerer wächst damit auch der Druck auf Deutschland. "Deutschland gibt Hunderte Millionen Euro für das Humboldt Forum aus und Frankreich macht Geschichte", sagte Zimmerer der Katholischen Nachrichten-Agentur KNA. Die Bundesrepublik betreibe "Preußen-Nostalgie"; Frankreich dagegen stehe für "zukunftsweisenden Umgang mit Europas kolonialem Erbe".