Die Künstlergruppe Zentrum für politische Schönheit (ZPS) hat ihre umstrittene Website zur Identifizierung von Teilnehmern rechter Aufmärsche in Chemnitz abgeschaltet. Bei der Aktion habe es sich um eine Falle gehandelt, teilten die Aktivistinnen und Aktivisten auf ihrer Website Soko Chemniz mit. Mit jeder Suchanfrage im Namensfeld hätten Rechtsextreme unwissentlich Hinweise auf ihr eigenes Netzwerk geliefert.

Nach Angaben des ZPS hat es sich bei der Website um einen "Honigtopf" gehandelt – also eine Internetseite, mit der Gegner angelockt werden. Ziel sei es gewesen, dass die Rechtsextremen ihr "gesamtes Netzwerk selbst ausliefern, und zwar ohne es zu merken". Denn den Aktivisten zufolge folgten die meisten Suchanfragen einem Muster: So hätten die meisten Nutzer zunächst nach ihrem eigenen Namen gesucht und damit ihre Identität verraten.   

"Als Nächstes haben mehr als 62 Prozent der relevanten Besuchergruppe unsere Datenbanken nach Familienangehörigen durchforstet, bevor im Schnitt nach 6,72 Freunden oder Bekannten gesucht wurde", schreiben die Aktivistinnen weiter. Die Datensätze bieten dem ZPS nach eigener Aussage die "einmalige Möglichkeit, das 'Netzwerk Chemnitz' auszuleuchten". Mittels Netzwerkanalyse und Datenvisualisierung seien Freundeskreise, Knotenpunkte, Mitläufer und Aufenthaltsorte relativ einfach auswertbar gewesen.

Die Aktion hatte viel Kritik ausgelöst. Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Olaf Zimmermann, sprach von einer "problematischen Kunstaktion, die nicht zur Aufklärung beiträgt, sondern nur der Spaltung unserer Gesellschaft weiter Vorschub leistet". Dabei spiele es keine Rolle, "ob der Pranger real oder Fake ist, und schon gar nicht rechtfertigt das Ziel dieses Mittel", sagte Zimmermann.

Das ZPS hatte die Aktion rund drei Monate nach den rechten Demonstrationen in Chemnitz gestartet. Auf der Website wurde dazu aufgerufen, Teilnehmer der Aufmärsche zu enttarnen und vor ihren Arbeitgebern bloßzustellen: "Denunzieren Sie noch heute Ihren Arbeitskollegen, Nachbarn oder Bekannten und kassieren Sie Sofortbargeld."

In Chemnitz war es Ende August zum gewaltsamen Tod eines Mannes gekommen, der mutmaßlich von Flüchtlingen erstochen wurde. In der Folge gab es fremdenfeindliche Übergriffe sowie Demonstrationen auch rechter Gruppen. Das ZPS erreichte bereits in der Vergangenheit mit provokanten Aktionen Aufmerksamkeit. So mieteten die Aktivisten unter anderem das Nachbarhaus von AfD-Politiker Björn Höcke in Thüringen und errichteten im Garten eine Nachbildung des Berliner Holocaust-Denkmals. Dieses hatte Höcke als "Mahnmal der Schande" bezeichnet.