Vor fünf Jahren veröffentlichte ich einen Post auf meinem Blog, der sich innerhalb kurzer Zeit verbreitete und große Resonanz erfuhr. Hier einige Auszüge:

Ich spreche nicht länger mit Weißen über das Thema Hautfarbe. Das betrifft nicht alle Weißen, sondern nur die große Mehrheit, die sich weigert, die Existenz von strukturellem Rassismus und seinen Symptomen anzuerkennen. Ich kann mich nicht mehr mit der emotionalen Distanz auseinandersetzen, die Weiße an den Tag legen, wenn eine Person of Colour (PoC) von ihren Erfahrungen berichtet. Man sieht, wie sich ihr Blick verschließt und hart wird. Es ist, als würde ihnen Sirup in die Ohren gegossen, der ihre Gehörgänge verstopft. Es ist, als könnten sie uns nicht mehr hören. (...)

Die emotionale Distanz ist die Folge eines Lebens, in dem sich jemand vollkommen unbewusst darüber ist, dass seine Hautfarbe die Norm darstellt und alle anderen davon abweichen. Bestenfalls wurde Weißen beigebracht, nicht zu erwähnen, dass People of Colour "anders" sind, falls es uns beleidigt. Sie glauben wirklich, dass die Erfahrungen, die sie aufgrund ihrer Hautfarbe gemacht haben, universell sein können und sollten.

Ich kann mich nicht mehr mit der Verwirrung und Abwehrhaltung auseinandersetzen, wenn sie versuchen, mit der Tatsache klarzukommen, dass nicht alle die Welt so erleben wie sie. (...) Ich kann nicht länger mit Weißen über Hautfarbe sprechen – wegen der konsequenten Verleugnung, der ungeschickten Räder, die sie schlagen, und der geistigen Akrobatik, die sie vollführen, wenn sie darauf aufmerksam gemacht werden. Wer will schon auf eine Systemstruktur hingewiesen werden, die ihm auf Kosten anderer Vorteile bringt? (...)

Ich kann dieses Gespräch nicht mehr führen, weil wir es oft von völlig unterschiedlichen Orten aus angehen. Ich kann mit ihnen nicht über die Einzelheiten eines Problems reden, wenn sie nicht einmal die Existenz des Problems anerkennen. Schlimmer noch ist die weiße Person, die willens ist, die Möglichkeit von besagtem Rassismus einzugestehen, aber glaubt, dass wir dieses Gespräch als Ebenbürtige führen. Das tun wir nicht.

Kaum war er publiziert, nahm der Blogpost ein Eigenleben an. Unzählige Menschen reagierten darauf. Von Dunkelhäutigen kamen viele "Dankeschöns" und viele "Du hast Worte für meine Erfahrungen gefunden". Womit ich nicht gerechnet hatte, war eine Welle an Emotionen von Weißen, die meinten, dass ich der Welt etwas vorenthielt, wenn ich nicht mehr mit Weißen über Hautfarbe sprach.

Mittlerweile habe ich aus Warum ich nicht mehr mit Weißen über Hautfarbe spreche ein Buch gemacht, um das Gespräch – paradoxerweise – fortzusetzen. Dieses Buch ist das Produkt von fünf Jahren Aufregung, Frustration, von erschöpfenden Erklärungen und ellenlangen Facebook-Kommentaren.

Ich bin mir meiner Hautfarbe nur deswegen so akut bewusst, weil ich, seitdem ich mich erinnern kann, von der Welt durchgängig als anders abgestempelt werde. Als ich vier war, fragte ich meine Mutter, wann ich weiß werden würde, weil alle guten Menschen im Fernsehen weiß waren, und alle Bösen waren dunkelhäutig. Ich betrachtete mich als guten Menschen, deswegen dachte ich, dass ich irgendwann weiß werden würde. Meine Mutter erinnert sich immer noch an den enttäuschten Ausdruck auf meinem Gesicht, als sie mir die schlechte Nachricht mitteilte.

Neutral ist weiß. Die Norm ist weiß. Weil wir in ein bereits existierendes Drehbuch hineingeboren werden, das uns sagt, was wir aufgrund ihrer Hautfarbe, ihres Akzents und ihres sozialen Status von Fremden zu erwarten haben, ist die gesamte Menschheit weiß kodiert. Schwarzsein ist das "Andere" und deshalb verdächtig. Diejenigen, die in unserer kollektiven Vorstellung eine Gefahr darstellen, sind nicht weiß. Diese Botschaften sind von so durchschlagender Wirkung, dass mein vierjähriges Ich sie dank des Fernsehens bereits entschlüsselt hatte und wusste, dass alle, die aussahen wie ich, schlimmstenfalls Verbrecher und bestenfalls aufsässige Nebenfiguren waren.

Wie soll ich white privilege definieren? Es ist so schwierig, eine Leerstelle zu beschreiben, etwas, das abwesend ist. Und white privilege ist die Abwesenheit der negativen Folgen von Rassismus. Die Abwesenheit struktureller Diskriminierung, die Abwesenheit der Tatsache, dass deine Hautfarbe zuallererst als Problem gesehen wird, die Abwesenheit des "aufgrund meiner Hautfarbe ist es weniger wahrscheinlich, dass ich erfolgreich sein werde". Es ist die Abwesenheit schräger Blicke, die dich treffen, weil angenommen wird, dass du dich am falschen Ort aufhältst, die Abwesenheit kultureller Erwartungen, die Abwesenheit von Gewalt, die deine Vorfahren aufgrund ihrer Hautfarbe erleiden mussten, die Abwesenheit lebenslanger subtiler Marginalisierung und Abstempelung zum Anderen – der Ausschluss vom Narrativ, ein Mensch zu sein. Die Beschreibung und Definition dieser Abwesenheit bedeutet, das Weißsein nicht länger ins Zentrum zu stellen und Weiße daran zu erinnern, dass ihre Erfahrung nicht die Norm für den Rest von uns ist. White privilege ist natürlich viel einfacher zu identifizieren, wenn man nicht in seinen Genuss kommt, und ich beobachte die geschlossene Welt des Weißseins als Außenstehende. Ich wollte einst weiß sein, doch in meinem Hinterkopf wusste ich, dass ich nur eine schlechte Imitation dessen wäre, was ich nie sein würde, sollte ich mich selbst mit Assimilation betrügen.