Irgendjemand aus der SPD-Zentrale sollte Andrea Nahles die nächsten Wochen unbedingt im Auge behalten. Franz Müntefering hat doch zum Beispiel Tagesfreizeit. Gerade ist schon wieder viel von Mobbing unter Schülern die Rede und es fällt auf, dass es hinterher wieder nie jemand gewusst hat, oder nicht für voll nahm, obwohl es nachweislich vor allen Augen geschah.

Hubi Heil müsste die Nahles jetzt eigentlich so richtig gentlemanlike in Schutz nehmen, aber er ist gerade unterwegs für die wahlweise "tüchtig", "hart", "ein Leben lang" oder "ein Leben lang tüchtig und hart" arbeitenden Leute, denen er aus tiefstem Herzen, Seele und Zeche ihre "Respektrente" gönnt. Wenn aber doch ein Mensch in diesem Paralleluniversum namens deutsche Sozialdemokratie ein Leben lang hart im Nehmen war, dann doch wohl die Nahles! Und Hubi schaut so oft mit seiner Respektrente wie auf Staubsaugervertretertour in öffentlichen Talkshows vorbei ("Dingeldongel, schauen Sie, einmal Hubis Ruckzuckrente draufgesprüht und abgesaugt, wird aus dem ollen Läufer ein roter Respektteppich, phhscht, phhscht"), dass ihm offenbar entgeht, was im SPD-Benimmprekariat gerade los ist. Gerhard Schröder und Sigmar Gabriel öffnen abwechselnd knarzend die Sargdeckel, um mit knorrig erhobenen Zeigefingern Andrea Nahles mit Kostproben aus dem Hochhohnsektor und Niedriglobsegment zu terrorisieren. Was die beiden Respektrentner da veranstalten, ist eigentlich nur noch mit einer Zelle zu vergleichen, die fest entschlossen ist, die bestehenden Machtverhältnisse auf den Kopf zu stellen. Wo ist der Verfassungsschutz, wenn man ihn mal braucht? Hallo, das ist ein Prüffall!

Schröder jedenfalls gab im Spiegel ein Interview und sprach wie ein Patriarch, der die Firma den Kindern übergab, im Hintergrund noch mitregieren will, aber nicht darf, also regiert er im Vordergrund. Er verteilte Halbjahresnoten an die Genossen, und jeder nichtigste Einwand kam ihm offenbar noch wie gülden Geist und Genie vor. Was er äußerte war aber nicht Blattgold, sondern Banane. Kurzfassung: Die SPD ist im Wesentlichen ein scheiße angezogener, inkompetenter Haufen, vorneweg die Nahles. 

Im Gegensatz zu Gabriel und Schröder, die sich vor Bedeutungsumfang kaum um die eigene Achse drehen können, kann die Nahles sprechen, als würde sie einen Bengalo zünden. Wenn sie loslegt, krachwummert es durch die Decke, da streichen sich die beiden Herren noch umständlich die Haare glatt, bevor sie auf den Schalter der Tischrelaxkonfettikanone drücken, die eine Handvoll gelochtes Löschpapier über die Tischdecke flurpst. 

Verdruckst und verpiepst

Der Gabriel ist ganz besonders schlimm. Der war ja eine Weile weg, irgendwer veröffentlichte ein Foto, wie er im ICE-Restaurant seine neue Tätigkeit "Autor" ausübte, und man dachte noch: Na toll, jetzt will er doch nur sagen, dass Autoren keine hart und tüchtig arbeitenden Leute sind, sondern Kirschstreusel schmausend zwischen Wolfsburg und Göttingen rasch die Weltlage – plipp, plipp, plipp  – in die Tastatur analysieren, abschicken, aussteigen und schnell die Marie von der Kita abholen.

Mittlerweile doziert er im Stundentakt auf allen möglichen Kanälen vom Fernsehsender Phoenix bis zur Radiostation Deutschlandfunk und immer auch in den sozialen Medien über den Sozialstaat, darüber was richtig ist und was falsch, und wie man das gerade so aufschreibt, fällt es einem wieder ein. Stimmt, der war doch mal Lehrer in der Erwachsenenbildung, jetzt ist er halt Sozialkundelehrer auf Twitter. Dort jedenfalls lobte er Hubis Grundrente als "fair, gerecht und überfällig" und gab der Nahles außerdem noch einen mit. Aber nicht wie ein Mann, nämlich fair, gerecht und überfällig, sondern wie eine Maus, verdruckst und verpiepst, dass das Sozialministerium jetzt "auf Kurs" sei, wo diese Form der Rente vor zwei Jahren noch verhindert worden wäre, mit anderen Worten: Nahles, böse und blöd. Was der Arbeitsminister da vorstellt, ist zwar erst eine Idee und kein Gesetz, aber egal.