Die Ukraine hat ihre Teilnahme am diesjährigen Eurovision Song Contest (ESC) abgesagt. Das teilte die öffentlich-rechtliche Fernsehanstalt in Kiew mit. Als Grund für die Absage führte der Sender eine "exzessive Politisierung des nationalen Vorentscheids" über die Teilnahme an. Hintergrund ist der Konflikt mit dem Nachbarn Russland. Der Ausrichter des ESC, die Europäische Rundfunkunion EBU, bestätigte die Absage. Man bedauere den Schritt und hoffe, die Ukraine 2020 beim Wettbewerb wiederzusehen.

Am vergangenen Samstag hatte die Sängerin Maruv, bürgerlich Anna Korsun, die ukrainische Vorauswahl deutlich gewonnen. Nationalistische Politiker hatten sie danach für ihre vergangenen und geplanten Auftritte in Russland kritisiert. Anschließend kam es zu einem öffentlichen Streit zwischen der staatlichen Sendeanstalt und der Sängerin. Die 27-Jährige warf dem Sender politische Instrumentalisierung vor und verzichtete am Montag nach langen Verhandlungen mit der Anstalt auf die Teilnahme. Sie sei zwar bereit gewesen, Auftritte im Nachbarland abzusagen – sie wolle aber "kein Werkzeug im politischen Spiel" sein, teilte die Sängerin mit.

Daraufhin warf die Rundfunkanstalt ihr vor, sich zu weigern, als "Kulturbotschafterin der Ukraine" und "Sprachrohr der öffentlichen Meinung der Ukraine" aufzutreten. Als nach Korsuns Absage auch das zweitplatzierte Trio Freedom Jazz und die drittplazierte Band Kazka bekannt gaben, nicht für die Ukraine beim ESC auftreten zu wollen, sagte der Sender die ESC-Teilnahme am Mittwoch ganz ab.

Konflikt mit Russland überschattet den ESC

Der Sender beklagte, der nationale Vorentscheid habe gezeigt, dass "im fünften Jahr des militärischen Konflikts" die Verbindungen des Showbusiness "mit dem Aggressorland" – also mit Russland – immer noch eng seien. "Für einen Teil der Gesellschaft ist diese Tatsache annehmbar, bei einem anderen Teil ruft sie Entrüstung hervor." Die Ukraine ist seit der russischen Annexion der Halbinsel Krim vor fünf Jahren und der Unterstützung von Separatisten im Osten des Landes durch Moskau im Krieg mit dem Nachbarn.

Der Sender veröffentlichte einige Inhalte des Vertrages, den Vertreter der Ukraine beim ESC unterschreiben müssen. Darin heißt es etwa, den Künstlern seien Aussagen verboten, "welche die territoriale Integrität und Sicherheit der Ukraine infrage stellen könnten". Zudem dürfen Musiker in den drei Monaten nach dem ESC nicht in Russland auftreten.  

Der nächste ESC wird vom 14. bis zum 18. Mai im israelischen Tel Aviv ausgetragen. Die Ukraine nimmt seit 2003 an dem Musikwettbewerb teil. Die Ex-Sowjetrepublik gehört zu den erfolgreichen Ländern beim ESC: Sie hat zweimal gewonnen – 2004 und 2016 – und häufig vordere Plätze belegt. Der Konflikt mit Russland hatte schon in den vergangenen Jahren den ESC überschattet. Als der Wettbewerb 2017 in Kiew ausgerichtet wurde, zog sich Russland zurück – die Ukrainer drohten damals damit, die ausgewählte russische Sängerin Julia Samoilowa nicht ins Land zu lassen, weil diese zuvor auf der Krim ein Konzert gegeben hatte.