Françoise Bettencourt-Meyers ist etwas Besonderes. Nicht etwa, weil die Französin eine neue Pflanzenart entdeckt oder einen Literaturpreis gewonnen hätte oder gar als erste Präsidentin ihres Landes gehandelt würde. Nein, die 65-Jährige ist besonders, weil sie die reichste Frau der Welt ist. Der Bloomberg Billionaires Index, ein Ranking der weltweit 500 reichsten Personen, beziffert das Vermögen der Erbin des Kosmetikkonzerns L'Oréal auf fast 46 Milliarden US-Dollar.

Simone Schmollack ist Journalistin und Buchautorin. Sie studierte Germanistik, Slawistik und Journalistik in Leipzig, Smolensk und Berlin. Sie war über zehn Jahre Autorin und Redakteurin der "taz". Ihre Themenschwerpunkte sind Frauen, Familie, Gender, Soziales, Ostdeutschland, Migration/Integration. Von Dezember 2017 bis Juni 2018 war sie Chefredakteurin der Wochenzeitung "Der Freitag". Sie ist Gastautorin von "10 nach 8". © Barbara Dietl

Neben ihr gibt es noch andere milliardenschwere Damen: Alice Walton zum Beispiel, Tochter des Walmart-Gründers, besitzt laut Bloomberg mehr als 44 Milliarden US-Dollar, gefolgt vom Jacqueline Mars, der Enkelin des Schokoriegelerfinders, mit einem Vermögen von fast 34 Milliarden US-Dollar. Mit der BMW-Erbin Susanne Klatten und ihren über 20 Milliarden US-Dollar ist sogar eine Deutsche unter den reichsten Frauen auf dem Globus.

Frauen können also doch Geld. Sogar so gut, dass sie Milliardärinnen sind. So könnte man das sehen. Aber so ist es natürlich nicht. Wie es tatsächlich aussieht in der Welt, wie es um Vermögen und Einkommen bestellt ist und wie sich die finanzielle Geschlechterfront für die meisten Frauen in der Realität gestaltet, führen die jüngst von der Entwicklungshilfeorganisation Oxfam veröffentlichten Zahlen deutlich vor Augen. Zahlen wie diese hier: Das Vermögen der Milliärdär*innen in den Vereinigten Staaten, Indien und China bis hin zu Italien, Irland und Russland ist im vergangenen Jahr um zwölf Prozent gestiegen. Die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung hingegen ist um elf Prozent ärmer geworden, auch wenn die extremste Armut global zurückgegangen ist. Oder einfach und zugespitzt formuliert: Die Reichen werden reicher, die Armen ärmer.

Die von Oxfam ausgewerteten Zahlen, die die NGO unter anderem aus Statistiken des Global Wealth Report des Finanzdienstleisters Credit Suisse sowie der Weltbank bezogen hat, haben zum Teil heftige Kritik erfahren. Manche Zahlen, hieß es beispielsweise, seien wie Äpfel und Birnen und daher nicht miteinander vergleichbar. Aber Äpfel hin, Birnen her, darum soll es an dieser Stelle nicht gehen. Denn Fakt ist – und das zeigt die Oxfam-Studie recht deutlich: Frauen sind und bleiben die Verliererinnen, wenn es um Geld und damit soziale Teilhabe, Bildung, Gesundheit, Freiheit und Unabhängigkeit geht.

Männer sind durchschnittlich doppelt so reich wie Frauen. Das weiß nicht nur Oxfam, das belegen zahlreiche Studien hinlänglich. So hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung schon vor zehn Jahren ermittelt, dass hierzulande die mittleren Vermögen von Männern doppelt so hoch sind wie die der Frauen. Damals waren das 20.000 Euro im Gegensatz zu 10.000 Euro. Die prozentuale Genderschere bei der Vermögensverteilung hat sich bis heute nicht geändert. Hinzu kommt der Gender-Pay-Gap, die Lohnlücke zwischen den Löhnen von Frauen und Männern, die weltweit bei rund 23 Prozent liegt.

In afrikanischen Ländern gestalten sich die Einkommensgefälle und Machtverhältnisse noch extremer. Die Wirtschaft in Afrika hängt vor allem von Frauen ab, in ländlichen Regionen Kenias beispielsweise erwirtschaften sie auf den Feldern vielfach das Familienbudget. Aber Männer streichen das Geld ein, und sie entscheiden, wofür es ausgegeben wird. Denn traditionell haben Frauen beim Geld kaum ein Mitspracherecht. Das ändert sich zwar allmählich, aber in recht langsamem Tempo.

Ähnlich ist es in Asien. Ich bin dort viel unterwegs, ob in China, Kambodscha, Vietnam, Laos, Myanmar, Thailand, Indien, Taiwan – überall sah und sehe ich Frauen, die kleinen Handel betreiben: Obststände, Garküchen, Schneidereien. Kürzlich konnte ich in Sri Lanka beobachten, wie es sich auf der bei westlichen Tourist*innen beliebten Urlaubsinsel im Indischen Ozean gestaltet. Frauen sitzen auf Märkten oder am Straßenrand, vor sich Decken ausgebreitet oder kleine Holztische und Kisten aufgestellt: Sie bieten Gewürze, Kräuter, Mangos, Tomaten an, so was.

Und natürlich Kokosnüsse. Eine King Coconut, so heißen die großen grünen Früchte, kostet meist 100 Rupien, umgerechnet 50 Cent. Wenn es gut läuft, verkaufen die Frauen acht bis zehn King Coconuts am Tag. Es sind zwar meist Männer, die die Nüsse von den Bäumen pflücken oder von der Erde auflesen, aber Frauen stehen den ganzen Tag am Straßenrand in der prallen Sonne, warten auf Kundschaft, zerteilen die Früchte, entsorgen den Abfall. Oft hüpfen die Kinder der Frauen um ihre Mütter, wenn Kundschaft auftaucht.

Der Frauenrechtsorganisation South Asia Women's Fund zufolge arbeiten viele Frauen in landwirtschaftlichen Familienbetrieben und als Straßenverkäuferinnen – häufig komplett ohne Bezahlung. Das sri-lankische Finanzministerium spricht von 20 Prozent Frauen als Hilfsarbeiterinnen sowie von mehr Frauen als Männern, die als sogenannte Zuarbeiterinnen in Familienbetrieben vom frühen Morgen bis in den späten Abend arbeiten.