Mal etwas unvermittelt in die Runde gefragt: Wird in diesem Land eigentlich noch irgendetwas gebaut? Jetzt nicht privat, sondern mit dem Staat als Bauherrn? So richtig gebaut. Orientiert am Bedarf, solide Bauweise, ästhetisch, modern, hell, freundlich, schnell, umweltfreundlich und vor allem für viele Zehntausend Menschen mit geringen und normalen Einkommen? Mit Verkehrsanbindung und Infrastruktur. Brücken, Straßen, Häuser. So, wie es überall auf der Welt geschieht. Oder wird nur noch das Bauen reguliert, indem man noch mehr Feuermelder anbringen muss, noch mehr Dämmmaterial in die Wände stopfen, noch mehr Abstand zwischen Klingelschild und Briefkastenschlitz einhalten muss und was es noch so an Verordnungen gibt. Wird das für immer so bleiben, dass es 1.000 Jahre dauert, bis ein Stück Straße zwischen zwei Leitplanken repariert wird? Und 2.000 Jahre für den neuen Flughafen? Und 3.000 Jahre, bis der neue Bahnhof steht?

Und weiter gefragt: Wird in diesem Land eigentlich noch eingestellt? Ganz normal eingestellt, nicht mit Taschengeldvertrag, sondern in einem Arbeitsverhältnis, das einem nicht die Gesundheit ruiniert und einem ermöglicht, jederzeit in einen Laden gehen zu können und eine neue Waschmaschine zu kaufen? Immer mehr ganz normale Bürger können weder ganz okay wohnen noch okay arbeiten noch okay leben.

Wird nicht in allen Berufsgruppen, die öffentlich getragen werden, Personal benötigt? Arbeitskräfte für den medizinischen Bereich, Pflegekräfte, echte ausgebildete Lehrer, Menschen, die gebraucht werden, damit man im Krankenhaus noch vor dem Abnippeln drankommt? Ganz gleich, ob es um die bundesweite Beförderung mit der Bahn geht oder das Bearbeiten von Anträgen in den Ämtern oder die Rechtsprechung – alles dauert ewig, bloß weil Personal fehlt. Ist das nicht ein Wahnsinn?

Wird in diesem Land eigentlich noch irgendetwas erfunden? Etwas richtig Innovatives? Die letzte bahnbrechende Erfindung, nämlich die Lügensoftware, die Autokäufer über Abgaswerte betrügt, zählt nicht. Etwas, das dem Menschen nützt, das man in der Welt herumzeigen und worüber man sagen kann: Das waren wir! Wir, das good old Germany. Etwas, dessen Botschaft ist, dass wir zwar mal die halbe Welt in Schutt und Asche gelegt haben, aber dass wir versuchen werden, es, wenn irgendwie möglich, wieder gutzumachen, weil wir keinesfalls nur für unsere Schusswaffen, Panzer und anderes Kriegsgerät berühmt sein wollen.

Ja, Gottchen, warum?

Findet in diesem Land eigentlich noch irgendetwas anderes statt außer Debatte? Und kann es sein, dass aus lauter Laberbedarf und Reaktionsreflexen auf jeden rechtsextremen, lebens- und liebesfeindlichen Stumpfsinn ein reaktionärer Nervenzusammenbruch namens Deutschland entsteht?

Beispiel CDU: Innerhalb der Partei wurden wichtige Posten neu besetzt. Es gibt einen neuen Fraktionsvorsitzenden, einen neuen Generalsekretär, eine neue Parteivorsitzende. So eine Partei müsste doch abgehen! Die müsste so richtig platzen vor Kraft und Lust, das Leben der Menschen zu verbessern. Stattdessen die Botschaft, dass sich so etwas wie 2015 nicht wiederholen dürfe. Man sieht sie förmlich, wie sie im Stuhlkreis sitzen, der Reihe nach die Sprechapfelsine auffangen und dann ihr Lebenstrauma im Heulkrampf zusammenfassen: Wie kann es sein, dass in Syrien Krieg herrscht und sie kommen hierher? Wieso haben sie Handys? (Ja, Gottchen, warum?) Warum erfindet die Kosmetikindustrie nicht endlich einen Sonnenschutz, der keine gelben Flecken auf der Kleidung hinterlässt? Wieso haben Dinkelpenne eine vier Minuten längere Garzeit als Hartweizenspaghetti? Können erwachsene Menschen, die von solchen Themen obsessiv besessen sind, wirklich ein Land in die Modernität führen?