Der Fall Relotius hat beim Nachrichtenmagazin Spiegel personelle Konsequenzen. Zwei Führungskräfte werden ihre neuen Positionen beim Hamburger Nachrichtenmagazin endgültig nicht antreten, teilte der Verlag mit. Der als Chefredakteur des gedruckten Magazins vorgesehene Ullrich Fichtner und der designierte Blattmacher Matthias Geyer würden mit neuen strategischen Aufgaben betraut und direkt an die Chefredaktion angebunden.

Die Untersuchung der hausinternen Kommission zu den Fälschungen des ehemaligen Redakteurs Claas Relotius habe ergeben, dass beide keine persönliche Schuld an den Betrugsfällen treffe, stellte Chefredakteur Steffen Klusmann laut der Mitteilung fest. Gleichzeitig übernähmen sie Verantwortung, um jegliche Zweifel an der Integrität des Magazins auszuräumen.

Geyer gebe außerdem auf eigenen Wunsch die Leitung des Ressorts Gesellschaft ab. Er und Fichtner waren Vorgesetzte von Relotius und galten als seine Förderer. Sie sollten ihre neuen Positionen bereits zu Beginn des Jahres antreten, doch wurden die Verträge nach dem Bekanntwerden des Falls zunächst ausgesetzt. Fichtner soll nun als Reporter mit besonderen Aufgaben Titelgeschichten konzipieren und "große Projekte" vorantreiben, Geyer sich besonders um die Textqualität des Blattes kümmern.

Der Spiegel hatte den Fälschungsfall Mitte Dezember aufgedeckt und öffentlich gemacht. Die Chefredaktion sprach in dem Zusammenhang von der vielleicht "schwersten publizistischen Krise" bei dem Nachrichtenmagazin.

Der dem Gesellschaftsressort zugeordnete Reporter Claas Relotius hatte die Vorwürfe nach Angaben der Spiegel-Führung damals bereits eingeräumt und seinen Vertrag anschließend gekündigt. Der Journalist hatte zunächst als freier Mitarbeiter für den Spiegel geschrieben, danach war er anderthalb Jahre lang als Redakteur fest angestellt. Von ihm sind dem Spiegel zufolge seit 2011 knapp 60 Texte im Heft und bei Spiegel Online erschienen.

Claas Relotius hat in der Zeit von 2010 bis 2012 fünf Beiträge für ZEIT ONLINE sowie einen Artikel für ZEIT WISSEN geschrieben. Die Redaktionen haben diese Beiträge überprüft. Unseren Wissensstand dazu finden Sie in unserem Transparenz-Blog Glashaus.