Es steht zu befürchten, dass Donald Trump sich nicht nur für den bedeutendsten aller bisherigen US-Präsidenten hält, sondern auch für einen mächtigen Vorkämpfer in Sachen Geschlechtergerechtigkeit. Nun ließ er nämlich seinen Vize Mike Pence verkünden, er, Donald Trump, habe angeordnet, dass binnen fünf Jahren wenigstens auf dem Mond die Emanzipation beginnen werde. Oder so ähnlich. Pence' genaue Worte, geäußert bei einem Treffen des von ihm geleiteten National Space Council, lauteten: "Die erste Frau und der nächste Mann auf dem Mond werden amerikanische Astronauten sein, und sie werden dorthin in einer Rakete fliegen, die von amerikanischem Boden gestartet wurde."

Der nächste Mann dann also auch. Der wird ganz sicher nicht Pence selbst sein, obwohl es in den USA relativ viele Menschen geben soll, die den streng rechtsgläubigen Vizepräsidenten nur zu gern auf den Mond schießen würden (um ihn dann dort zu vergessen). Pence aber vermeidet es laut eigener Aussage, sich allein mit Frauen, mit denen er nicht verheiratet ist, in einem Raum aufzuhalten. Die Regel dürfte gerade auch in der Schwerelosigkeit gelten, die Innenräume der im All üblicherweise unterwegs befindlichen Raumfahrzeuge sind doch recht eng dimensioniert.

Trumps Anordnung zur Mondlandung 2024 ist zeitlich gut platziert, nur wenige Monate vor dem 50. Jahrestag der ersten bemannten Mondlandung, an dem bestimmt an die ersten Worte Neil Armstrongs vom Erdtrabanten erinnert werden wird. Nun müsste man sagen: Der erste Schritt einer Frau auf dem Mond wäre nur ein kleiner für sie, aber ja wirklich ein großer für die Menschheit. Kaum zehn Prozent der Menschen, die bisher ins All geflogen sind, waren weiblichen Geschlechts. Gemessen daran sind die Vorstände deutscher Dax-Konzerne geradezu Geschlechterwohlfühloasen.

Eine Göttin wohnt schon droben

Tatsächlich war bislang noch keine einzige Frau mit deutschem Pass im Weltraum, und dass der Ehemann der ersten, die da hochfliegen soll, Insa Thiele-Eich, schon im Vorfeld gleich den Preis "Spitzenvater des Jahres" verliehen bekam, weil er seiner Frau, na klar, den Rücken freihält: Das zeigt doch, in welcher Galaxie wir in Deutschland noch leben.

Immerhin war schon mal eine deutschsprachige Frau auf dem Mond, die Österreicherin Gerda Maurus. Aber nur im Film. Im Jahr 1929 spielte Maurus in Fritz Langs Frau im Mond eine Mondfahrerin namens Friede Velten. Dieser Stummfilm war auch insofern visionär, als dass sich seine Prämisse 90 Jahre später in der Wirklichkeit entfernt wiederholt.

Die Figuren in Langs Film machten sich auf den Weg zum Mond, weil sie auf dessen erdabgewandter Seite unter anderem unfassbare Mengen an Bodenschätzen vermuteten. Dort, auf der anderen Seite des Mondes, ist im Januar dieses Jahres dann auch eine unbemannte chinesische Sonde gelandet, die ein Roboterfahrzeug namens Jadehase 2 abgesetzt hat. In der chinesischen Mythologie lebt dieses Langohr mit der Mondgöttin (weiblich!) Chang'e dort oben in einem Palast, und nicht nur der Legende nach plant China für die Dreißigerjahre dieses Jahrhunderts bemannte Mondmissionen und die Errichtung einer Station. Diesen Plänen offenbar will Trump zuvorkommen mit seinem Flugbefehl für amerikanische Astronauten. Dass auch eine Frau an Bord wäre, das wäre also eher ein Nebeneffekt dieses neuen space race.

Haben Sie den auch in Small?

Sollte die Nasa nicht schnell genug ein entsprechendes Gefährt bereitstellen können, verkündete Mike Pence ebenfalls, so könnten den Transport auch private Raumfahrtfirmen durchführen. Wäre vielleicht gar nicht so schlecht. Dass die amerikanische Weltraumbehörde nicht auf Frauen eingestellt ist, bewies sie gerade erst, als sie einen für Freitag geplanten Außeneinsatz zweier Astronautinnen an der ISS streichen musste. Begründung: Es gibt keine zwei Raumanzüge in Frauengröße dort oben.

So steht allerdings noch etwas zu befürchten. Nämlich, dass sich von Trumps moonshot der notorische Weltretter und selbst ernannte All-Kolonialisierer Elon Musk angesprochen fühlen könnte, Gründer der Raketenfirma SpaceX, die bald schon für die Nasa als Transportunternehmen Astronautinnen und Astronauten zur ISS bringen soll. Auch Musks Verständnis für Geschlechtergerechtigkeit scheint jedoch begrenzt zu sein. Eine der buntesten Aussagen des recht häufig bunte Aussagen tätigenden Workaholics lautet: "Ich muss eine Freundin finden. Dafür müsste ich mir allerdings Zeit freiräumen. Ich glaube, vielleicht fünf oder zehn – wie viel Zeit fordert eine Frau pro Woche ein? Vielleicht zehn Stunden? Ist das so was wie das Minimum? Ich weiß es nicht."

Unbestätigten Gerüchten zufolge haben seine besten buddies ihm nach diesem hilflosen Gestammel das Buch Frauen sind von der Venus, und Männer fliegen zum Mars geschenkt.