Nach dem verheerenden Brand in der Kathedrale Notre-Dame in Paris hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron das Land zum Wiederaufbau aufgerufen. Die Franzosen seien ein "Volk der Baumeister", sagte Macron in einer Fernsehansprache. "Wir werden Notre-Dame noch schöner wieder aufbauen, und ich will, dass das in fünf Jahren abgeschlossen wird. Wir können das schaffen", sagte Macron. "Es liegt an uns, diese Katastrophe in eine Gelegenheit zu wandeln, um zusammenzukommen (...). Es liegt an uns, den Faden unseres nationalen Projekts zu finden."

Der Wiederaufbau dürfte Hunderte Millionen Euro kosten und sich nach Expertenschätzung sehr lange hinziehen. Spender haben bereits Unterstützung für den Wiederaufbau des Wahrzeichens zugesagt.

In seiner fünfminütigen Rede appellierte Macron an den Zusammenhalt der französischen Gesellschaft. "Was wir gesehen haben, ist die Fähigkeit, uns zu einen, um zu siegen." Der Brand "unserer Dame" habe gezeigt, "dass unsere Geschichte nie aufhört, dass wir immer neue Proben zu bestehen haben. Auch was wir unzerstörbar glaubten, kann betroffen sein. Alles, was Frankreich ausmacht – materiell, geistig, lebendig –, ist zerbrechlich. (...) Das dürfen wir nie vergessen."

Dank Feuerwehr und Rettungskräfte

Der Präsident dankte Polizei, Feuerwehr und Rettungskräften für ihren Einsatz. Zugleich würdigte er die Zeichen von Solidarität aus dem In- und Ausland. "Jeder hat gegeben, was er konnte." Der Brand der Kathedrale habe die Menschen in Paris, in Frankreich und auf der ganzen Welt getroffen, nun sei es an der Zeit zu handeln. "Ich teile ihren Schmerz, aber ich teile auch ihre Hoffnung."

Bereits 24 Stunden nach dem Feuer sicherten Spender Geld zur Wiederherstellung der Kathedrale zu. Die Milliardärsfamilie Bettencourt-Meyers und das Kosmetikunternehmen L'Oréal teilten mit, sie wollen 200 Millionen Euro spenden. Zuvor hatte die Familie von Unternehmer und Milliardär Bernard Arnault über dessen Luxusgüter-Konzern LVMH angekündigt, sich ebenfalls mit 200 Millionen Euro an der Rekonstruktion beteiligen zu wollen. Die Milliardärsfamilie Pinault hat 100 Millionen Euro versprochen. 

Am Dienstagnachmittag telefonierte Macron mit Papst Franziskus. Dabei habe der Papst seine Solidarität mit dem französischen Volk ausgedrückt, hieß es anschließend. Das Feuer habe ein "nationales Symbol" getroffen, das den Bürgern von Paris und Frankreich unabhängig von ihren Überzeugungen am Herzen liege, so das Kirchenoberhaupt. Der Papst äußerte den Wunsch, dass mit dem Einsatz aller das Bauwerk als "Herz der Stadt" und "architektonisches und spirituelles Erbe von Paris, Frankreich und der Menschheit" wiedererstehen könne.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bat die Menschen in Deutschland, den Wiederaufbau von Notre-Dame zu unterstützen. Er nehme gerne die entsprechende Bitte Macrons auf, sagte Steinmeier.

Schäden im Inneren weniger schlimm als befürchtet

Die Ermittler gehen nicht von einem vorsätzlich gelegten Brand aus. Im Dachstuhl von Notre-Dame wurden vor Ausbruch des Feuers Renovierungsarbeiten vorgenommen. Der Pariser Staatsanwalt Rémy Heitz sagte, die Untersuchung werde "lang und komplex" sein. 50 Ermittler seien damit befasst und würden Arbeiter von fünf Unternehmen befragen, die mit der Renovierung des Dachs beauftragt gewesen seien.

Am Montag sei um 18.20 Uhr zum ersten Mal ein Feueralarm ausgelöst worden, doch es sei kein Feuer entdeckt worden. Um 18.43 sei der Feueralarm zum zweiten Mal ausgelöst worden, und der Brand sei auf dem Dach entdeckt worden.

Der Brand war am Montagabend ausgebrochen und hatte sich dann sehr schnell auf rund 1.000 Quadratmeter ausgebreitet. Erst am Dienstagmorgen konnte das Feuer komplett gelöscht werden. Die Schäden im Inneren der Kathedrale sind allerdings weniger schlimm als befürchtet. Nur der 1989 installierte Hochaltar sei durch den nach unten gestürzten Spitzturm schwer beschädigt worden, sagte der Denkmalschutz-Direktor für Notre-Dame, Laurent Prades. "Den ganzen Rest haben wir retten können."

"Alle Stelen aus dem 18. Jahrhundert, die Pietàs, die Fresken, die Kapellen und die große Orgel sind in Ordnung", sagte Prades weiter. Er sei auch besonders froh, dass die drei großen Rosettenfenster nicht zerstört worden seien. Möglicherweise hätten sie allerdings Schaden durch die große Hitze genommen, das müsse erst noch überprüft werden.

Das Feuer warf auch in Deutschland Fragen nach dem Brandschutz historischer Kirchen auf. "Was in Paris passiert ist, lässt sich, wenn man ehrlich ist, nirgends ausschließen", sagte Claus Wolf, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Baden-Württemberg.