1. Gewaltandrohungen bzw. Aufrufe zur Gewalt

Das genretypische Paradebeispiel ist bereits etwas älter. Es stammt aus dem Dezember 2017 und gilt unter Rechtsextremisten bis heute als gelungene Designlösung. Gepostet hat es der AfD-Bundestagsabgeordnete Stephan Brandner. Suggerierend, "auf die Antifa oder der/die/das 'Zentrum für politische Schönheit'" zu warten, veröffentlichte er ein Foto, auf dem ein Glas Bier und ein machetenähnliches Messer zu sehen sind. Im Begleittext fragt er, ob "die 'nen Tipp geben" können, "wie ich das Gerät 'künstlerisch' gebrauchen kann". 

© Screenshot: Twitter

Brandners Kommentar steht prototypisch für einen Hass, der sich darin gefällt, ästhetisch mit Gewaltandrohungen zu spielen. So postete Brandner denn auch wenige Wochen später eine zweiseitige genüsslich kommentierte Verfügungsschrift der Staatsanwaltschaft Gera, aus der hervorgeht, dass nach rechtlicher Prüfung in dieser Sache kein strafbares Verhalten vorliege.

Der Zweck solcher Verpackungen ist indes klar: Das Posting verzichtet auf Eindeutigkeit, um sie in der Vorstellungskraft des Empfängers der Botschaft umso wirkungsvoller entstehen zu lassen. Bild und Text öffnen einen Assoziationsraum und deuten gleichsam eine bestimmte Richtung der Auslegung an. Wozu auch immer die Follower sich daraufhin animiniert fühlen – der Urheber des Posts hat ja nur das Bild eines Messers neben einem Glas Bier auf einem Tischdeckchen getwittert.

In ihrem Sinne erfolgreich ist so eine Hetztaktik schon auf niedriger Schwelle. Solche Text-Bild-Arrangements verankern Gewalt als gängige Option im Bewusstsein. Wenn User aus derlei suggestiven Postings den Gedanken an Gewaltausübung ableiten, steigen die Chancen, dass sich bei ihnen eine imaginative Vertrautheit mit körperlicher Gewalt einstellt. Hemmschwellen werden weiter abgesenkt.

Beobachtet man die Reaktionen auf Brandners Tweet von 2017, erhärten sich die Hinweise auf seinen Erfolg. Denn ganz überwiegend wird entweder im Modus entrüsteter Empörung oder in Gesten chauvinistischen Schulterklopfens reagiert. Beide Muster erweisen sich als gleichermaßen dämlich. Hassbotschaften führen eben auch dazu, gesellschaftliche Extreme zu verstärken, weltanschauliche Lager zu verhärten – um schließlich Gewalt auf allen Seiten als problemlösendes Mittel zu implementieren.