Nach fast zwei Jahren ist der russische Regisseur Kirill Serebrennikow überraschend aus dem Hausarrest entlassen worden. Das berichten mehrere russische Medien, darunter die Agentur Interfax, unter Berufung auf ein Gericht in Moskau. Dieses habe zugleich angeordnet, dass der 49-Jährige die Stadt nicht unerlaubt verlassen dürfe.

Der Regisseur gilt als Enfant Terrible der russischen Kulturszene und als Kritiker von Präsident Wladimir Putin. Mitte August 2017 wurde er festgenommen und musste sich im vergangenen Jahr in einem umstrittenen Prozess wegen Veruntreuung öffentlicher Mittel verantworten.

Kurz nach Bekanntwerden der Vorwürfe verhängte die Justiz Hausarrest gegen Serebrennikow. Damit war es ihm nur mit einer speziellen gerichtlichen Erlaubnis gestattet, seine Wohnung zu verlassen. Austauschen durfte er sich nur mit seinem Verteidiger, Internetzugang wurde ihm verwehrt, er durfte keine Post verschicken.

In den Augen vieler Kritikerinnen und Kritiker sind die Anschuldigungen politisch motiviert. Manche werten den Prozess als Versuch der Regierung, die ganze kritische Kulturszene in Russland mundtot zu machen. Der Fall Serebrennikow gilt ihnen als Exempel für das autoritäre russische System.