Und doch ist die Beantwortung der allesentscheidenden Klimafrage, der nach der Energie, am Ende so simpel wie folgenreich: Energie, die bislang aus fossilen Quellen gewonnen wird, muss künftig aus erneuerbaren Quellen stammen. Es geht um Gas, Kohle, ganz besonders um Öl – und die Schadstoffe, die bei deren Verbrennung entstehen. Alle fossilen Brennstoffe müssen in sehr naher Zukunft, nämlich spätestens ab 2050, vollständig unter der Erde bleiben. Kohle, Öl und Gas aber waren die Grundlage aller Industrialisierung, sie haben sie regelrecht befeuert. Sie einerseits zu besitzen und andererseits einsetzen zu können, hat immensen Wohlstand produziert und letztlich die Welt geschaffen, in der wir immer noch leben.

Diesen Reichtum dürfen wir bald nicht mehr anzapfen. Das geht, wenig verwunderlich, allen gegen den Strich, die genau damit gut verdienen. Und wenn es mit dem Klimaschutz bisher so langsam vorangeht, dann hat es auch damit zu tun, dass einige dieser Leute ihn auszubremsen versuchen. Sei es, indem sie mit Falschmeldungen und Desinformation den Klimadiskurs vor allem in den USA, aber auch in Europa sabotieren; sei es, indem sie Verantwortung verschleiern, Gefahren des Klimawandels kleinreden und zu erwartende Komplikationen bei der nötigen Energiewende übertreiben.

Genau dagegen haben sich seit Langem jedoch eigentlich alle Menschen gewehrt, die sich selbst für aufgeklärt halten. Die Leugnung des Klimawandels und der Beteiligung des Menschen daran galt ihnen als zutiefst unwissenschaftlich, negativ politisch motiviert, schlimmstenfalls als Aberglaube. An diesem Punkt der Analyse gab es keinen Raum für Ambivalenz, für Zwischentöne, Graustufen, Skepsis, Zweifel. Umso paradoxer ist es, dass wir uns bei der Übersetzung der Analyse in Handeln nun so schwertun. Und uns eben nach der Ambivalenz sehnen, den Zwischentönen, den Graustufen – den Errungenschaften der ausdifferenzierten Moderne.

Die eigentliche Generationenfrage ist das Reden

Das kann der jetzt protestierenden Klimageneration der Jungen nur absurd vorkommen. Über Zweifel denken ihre Mitglieder eben im Zweifel nicht nach, müssen sie auch nicht. Wie es aussieht, haben sie mit einem uns naiv erscheinenden Blick die Situation der Zeit besser erfasst als viele Erwachsene.

Doch das sollte nicht zu Überheblichkeit führen: Die Jungen müssen wieder und wieder ihr Anliegen erklären, ihr Gegenüber für voll nehmen, den Alten keinen bösen Willen unterstellen und sie schnellstmöglich überzeugen. Denn ohne die Alten läuft in diesem Land und auch überall sonst nichts. Mit ihnen müssen die Jungen in das so wichtige Gespräch kommen, ohne dass Erstere Letztere vorab als Nach-mir-die-Sintflut-Zyniker abqualifizieren.

Wie dieses Gespräch gelingen könnte? Vielleicht, indem die Jungen anerkennen, dass die Klimakrise trotz all ihrer Offensichtlichkeit am Ende doch schwer zu verstehen ist. Und auf eine paradoxe Weise sogar immer schwerer zu verstehen ist, je lebenserfahrener man ist. Um die Klimakatastrophe abwenden zu können, muss der aufgeklärte Mensch wenigstens an dieser Stelle einmal aufgeben, was ihm so lange als eine seiner größten Tugenden erschien: die Fähigkeit zu zweifeln.