An einem Werktag erwacht der durchschnittliche Deutsche um 6.48 Uhr in seiner  90,6 Quadratmeter großen Wohnung. Seine Partnerin – bei Ehen jeweils nur eine Angetraute zur Zeit, nicht mehrere, das ist angesichts einer aktuellen Gesetzesvorlage besonders wichtig – bleibt noch etwas liegen, sie arbeitet ja auch knapp neun Stunden die Woche weniger als er für ihr noch geringeres Geld. Es sei denn, ihre 1,6 Kinder, um die sie sich 52,4 Prozent beziehungsweise eine Stunde und 27 Minuten am Tag mehr kümmert als ihr Partner, holen sie aus den Federn. Vielleicht muss auch in einigen der rund 41 Millionen deutschen Haushalte einer der über zehn Millionen deutschen Hunde dringend vor die Tür. Jeder Labrador hat Bedürfnisse.

Gehört der durchschnittliche Deutsche zu den 84 Prozent, die laut einer Nestlé-Studie ein festes Frühstück einnehmen, ist es nicht ganz unwahrscheinlich, dass totes Tier auf seinem Brot landet – 60 Kilogramm Fleisch pro Jahr und Kopf, besonders gerne vom Schwein, müssen ja erst einmal zusammenkommen, da können die Befragten des aktuellen BMEL-Ernährungsreports in noch so großer Zahl angeben, nicht täglich Fleisch zu essen.

Der richtige und wirklich durchschnittlich durchschnittliche Deutsche verlässt hernach mit einem minderwertigen Schinkenrest zwischen den Zähnen das Haus – minderwertig, weil man ja schließlich nur 10,3 Prozent der etwa 3.300 Euro monatliches Nettoeinkommen des Haushalts für Lebensmittel ausgeben will. Und das Geld wird woanders gebraucht: Denn der Deutsche steigt jetzt natürlich nicht aufs Rad oder in Bus und Bahn, sondern in seinen Pkw. Mit ihm fährt er zu seiner Arbeitsstätte, wo er seine Tagesarbeitszeit von 7,3 Stunden hinter sich bringt.

Als Stadtbewohner steht er auf dem Weg aber erst einmal im Stau, wenn auch nur für eine im globalen Vergleich eher durchschnittlich erscheinende Zeit. Nicht ganz unwahrscheinlich, dass er dabei, obwohl Telefonieren ohne Headset und Surfen am Steuer natürlich streng verboten sind, ein bisschen Zeit mit dem Handy verbringt. Die laut Telefónica Deutschland über zwei Stunden täglich am Smartphone muss der Deutsche irgendwann verdaddeln – und irgendwie muss es dazu kommen, dass das Gerät zur Unfallursache Nummer eins wird.

Flachbildschirm und Urnengrab

Zugleich hört der Deutsche morgens – im Auto – zumeist durchschnittliches Formatradio. Und vielleicht ist das, bei aller statistischen Vernachlässigbarkeit, das Durchschnittlichste, was man in deutschen Lebensverhältnissen tun kann: bei einem Radiogewinnspiel anrufen und zwei Alicia-Keys-Karten gewinnen, oder, als Trostpreis, eine Morning-Show-Tasse.

Abends trinkt der Deutsche eine durchschnittliche Menge durchschnittliches Bier  und absolviert, was er morgens von seinen dreieinhalb Stündchen vor dem Flachbildfernseher noch nicht geschafft hat. Danach – es muss so gegen 23.15 Uhr sein – braucht er noch etwas länger als 30 Minuten, um in einen etwa siebenstündigen Schlaf zu finden.

Der durchschnittliche Deutsche stirbt mit etwa 77 Jahren an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Mit etwas Glück hat er etwas zu vererben, ehe er sich einäschern lässt. An die Frau, die Kinder, nicht zuletzt: die Geliebte. Denn glaubt man dem Datingportal Parship (und der durchschnittliche Deutsche ist durch sein durchschnittliches Maß an Plakat- und TV-Werbung darauf konditioniert, das zu tun), sind Affären und Seitensprünge im deutschen Männer-Durchschnitt weit verbreitet und akzeptiert. Man darf halt nur nicht mit mehreren Menschen gleichzeitig verheiratet sein, dann klappt’s auch mit der Einbürgerung.