Das Datenjournalismus-Projekt Wem gehört Hamburg? ist in Köln mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet worden. Auf der Plattform, die Besitzverhältnisse auf dem Hamburger Wohnungsmarkt aufzeigen soll, haben mehr als 1.000 Mieterinnen und Mieter Belege über den Eigentümer ihrer Wohnung hochgeladen. Zusammengekommen sind dabei die Eigentumsdaten zu 15.000 Wohnungen.

Entwickelt haben die Plattform das Recherchezentrum Correctiv und das Hamburger Abendblatt. Das Ziel war Correctiv zufolge, mehr Transparenz auf dem Mietmarkt zu schaffen. Denn nur, wenn man weiß, wie der Wohnungsmarkt wirklich aussehe und wer dort investiere, könne man laut Correctiv auch etwas gegen Missstände unternehmen. Die Bürgerrecherche soll demnach auch auf andere Städte ausgeweitet werden. Die Jury des Grimme-Preises bezeichnete das Angebot als "herausragend".

Zu den weiteren Gewinnern gehört unter anderem das 2014 gegründete unabhängige Journalismusportal Krautreporter. Die Kernredaktion wird nach mehreren Umstrukturierungen inzwischen von einer Genossenschaft getragen. Die Jury zeigte sich überzeugt "von der thematischen Breite und Tiefe". In vorbildlicher Weise werde hier auf die Lebenswelt der Leser eingegangen, ohne ihnen nach dem Mund zu reden.

Der durch Crowdfunding finanzierte Blog Butterbrod und Spiele, mit dem der Autor Moritz Gathmann und der Fotograf Christian Frey zur Fußball-WM 2018 aus ungewöhnlichen Perspektiven über Russland informierten, gehört ebenfalls zu den Preisträgern. Auf ihrer Reportagereise durch Russland trafen sie unter anderem einen sibirischen Comiczeichner und die Nachfahren schwäbischer Siedler. "Viele dieser Geschichten sind dadurch entstanden, dass man losfährt und einfach den Menschen zuhört", sagte Gathmann. In den etablierten Medien sei dafür eher kein Platz, weil auch nicht in jeder Geschichte das Wort "Putin" vorkomme.

Preise auch für kleinere Angebote

Auch weitere kleine Angebote wurden ausgezeichnet. So etwa der Podcast Mensch Mutta, der sich aus ganz subjektiver Sicht mit dem Leben einer Mutter in der DDR beschäftigt, und der medienkritische YouTube-Kanal Ultralativ, auf dem zwei Studenten über aktuelle Ereignisse und Entwicklungen aus dem YouTuber-Universum informieren. Ultralativ sei laut der Jury schlau, aber auch offen für Doofes. Damit Geld zu verdienen, würde sich falsch anfühlen, sagte einer der Macher, Paul Schulte.

Einen weiteren Preis gewann der "Witzbildzeichner" Tobias Vogel mit seinen Strichmännchen-Cartoons in seinem Satireformat Krieg und Freitag. Die auf Twitter, Facebook und Instagram veröffentlichten Karikaturen behandeln sowohl politische als auch persönliche Themen. Ausgezeichnet wurden auch der Gemeinschaftsblog Techniktagebuch, der Veränderungen in der Alltagstechnik beschreibt, die Jugendnetzkonferenz Tincon, die laut Jury einen Diskursraum für 13- bis 21-Jährige über das Internet eröffnet, und der YouTube-Kanal Einigkeit & Rap & Freiheit, der den Publikumspreis gewann.

Der Grimme Online Award gilt als wichtigster deutscher Preis für Onlinepublizistik. Aus 1.200 Vorschlägen hatte die Nominierungskommission 28 Angebote ausgesucht.