Der ehemalige stern-Chefredakteur Michael Jürgs ist tot. Nach Angaben seiner Frau starb er in der Nacht zu Freitag in Hamburg. Der Journalist hatte in der Medienbranche den Ruf, ein ausgezeichneter Rechercheur und scharfer Beobachter zu sein, wusste mit seinen Standpunkten aber auch zu provozieren. 2019 wurde Jürgs der renommierte Theodor-Wolff-Preis der deutschen Zeitungen für sein Lebenswerk verliehen. Der Journalist wurde 74 Jahre alt.

"Ich wollte immer nur Journalist werden, (…), weil ich daran glaubte und noch heute daran glaube, dass man mit Worten die Welt verändern kann", sagte Jürgs im April 2019 dem Spiegel.

Jürgs, geboren 1945 in Ellwangen, begann seine Karriere im Alter von 23 Jahren, als er, nach seinem Volontariat bei der Abendzeitung in München, kurzzeitig Feuilletonchef bei der Zeitung wurde. Ab 1976 leitete er das Ressort Unterhaltung beim stern und wurde dort 1986 Chefredakteur. Vier Jahre später wurde Jürgs entlassen – Anlass war die Titelschlagzeile: "Sollen die Zonis bleiben, wo sie sind?".

Von 1992 bis 1994 übernahm Jürgs die Stelle als Chefredakteurs bei Tempo und war als Co-Moderator der NDR Talk Show tätig. Außerdem veröffentlichte er mehrere Sachbücher und Biografien. Unter anderem über die Schauspielerin Romy Schneider, den Verleger Axel Springer und den Literaturnobelpreisträger Günter Grass. In der Streitschrift Seichtgebiete – Warum wir hemmungslos verblöden nahm sich der Publizist 2009 das Privatfernsehen und Showgrößen vor. 2015 ging er in einer Art Rundgang an 25 Orten der Frage nach: Wer wir waren, wer wir sind: Wie Deutsche ihre Geschichte erleben.

Jürgs erkrankte 2018 an Krebs. Er war fast 50 Jahre lang verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn.