Es gibt da nicht viel herumzudeuteln: an den schlanken, gebräunten Beinen, an der Hand am offenen Haar, den leicht geöffneten Lippen, der Perspektive der Kamera. "Schau mich an!", sagen die Frauen in den Bildern. Sie zeigen sich in einem sehr traditionellen weiblichen Sinn. Als Objekt, das angesehen und begehrt werden darf.

Die Frauen, die diese Bilder auf Instagram hochladen, sind Anfang zwanzig, manchmal jünger. Die Menschen, die ihre Bilder liken, ebenfalls. 14- bis 19-Jährige nutzen Instagram am stärksten. Sie loben Bikinibilder und verteilen Herzen für durchtrainierte Bäuche wie den von @pamela_rf. "Mein Engel", schreiben sie oder: "hot hot hot".

Männern dagegen schenken sie gestreckte Daumen, wenn die vor einem Mikrofon Gurken essen wie @unge oder wenn sie ihr Gesicht zu einer Grimasse verziehen wie @laserluca. Männer sind auf Instagram oft lustig oder erklären die Politik – vor allem sind sie auf vielen Bildern aktiv.  

Sehen junge Menschen die Rollen von Männern und Frauen so? Die einen machen Sachen, die anderen räkeln sich an der Wand? Man ertappt sich dabei, von den klischeehaften Bildern auf diejenigen zu schließen, die sie aufnehmen. Auf Instagram wird ja so gern das Echte betont. Man fragt sich auch, was das mit denen macht, die jeden Tag Hunderte dieser Bilder anschauen: Wollen sie so leben wie die Menschen auf den Bildern von @BibisBeautyPalace? Mit glänzendem Haar, Villa, Pool?

Man kann es auch anders sehen. Man könnte zum Beispiel zugeben, dass junge Frauen und Männer hier großen Spaß an der Übertreibung zeigen. Instagram ist eine spektakuläre Schau von Körpern, von Sex, von Glück und Schönheit. Klischees werden mit Lust vorgeführt und angeguckt, auch Geschlechterklischees. Liegt in dieser Übertreibung nicht selbst eine Spannung?

Caroline Daur ist eine beliebte deutsche Instagrammerin: Zwei Millionen Abonnentinnen folgen ihrem Account. Sie ist 24, schlank, blond, sehr muskulös. Mehrmals am Tag postet sie Bilder von sich in teurer Mode – derzeit sehr häufig aus einem Hotel am Meer. Der Balkon auf den Bildern ist mit hellen Säulen gesäumt. Am vergangenen Wochenende hat sie ein Video hochgeladen, in dem sie auf diesem Balkon drei Looks für ein Kleid vorstellt. Sie plaudert darin so, wie man mit einer Freundin plaudert, mit der man gemeinsam vor dem Spiegel steht und Klamotten zum Ausgehen anprobiert. Ab und zu hält sie ein teures Accessoire in die Kamera, nennt den Namen eines Designers. Schließlich zieht sie Sandalen an, die aussehen wie Wasserlatschen. "Das hier sind meine neuen Lieblingsschuhe", sagt sie. "Meine Mama findet sie schrecklich. Sie sagt: 'Jetzt noch Socken dazu, dann siehst du aus wie eine typische Deutsche.' Ach, und sorry für alle meine Sonnenuntergänge. Ich kann nichts dafür, es ist einfach so schön hier!"

Es ist ein netter, ein intimer Moment. Ein paar Mal verhaspelt Daur sich, das macht sie sympathisch, man lacht dann gern mit ihr. Martina Schuegraf sagt, dass es um solche Momente geht. "Nutzer wollen den Alltag der Influencerin spüren, sich in den Bildern Ideen für ihren eigenen Alltag abholen." Wenn man die Medienwissenschaftlerin fragt, ob die Nutzer und Nutzerinnen sich hier auch Weiblichkeit abgucken, sagt sie: jedenfalls nicht bewusst. "Die Geschlechterrolle wird zwar deutlich sichtbar. Aber ob sich jemand besonders feminin oder maskulin gibt, steht nicht im Vordergrund."