Eigentlich kann man ja nur laut jubeln und die Pompons schwingen, weil jetzt der Geschäftsführer des Basketball-Bundesligisten Alba Berlin erklärt hat, sein Verein sei "zu der Überzeugung gekommen, dass das Auftreten junger Frauen als attraktive Pausenfüller bei Sportevents nicht mehr in unsere Zeit passt". Deswegen wird Alba in Zukunft nicht mehr mit seinen Cheerleadern, den Alba Dancers, auftreten, sondern lieber noch mehr fördern, "dass Frauen im Basketball als Spielerinnen sichtbar und zu Vorbildern werden". 

Das Prinzip "Jungs machen was und Mädels finden's geil" ist überholt. Aber Alba bietet Anlass zu einer interessanten Diskussion im Sportbereich, wie sie im Feminismus öfter geführt wird: Darf eine Frau selbst darüber entscheiden, ob sie sich mutmaßlich patriarchalen Strukturen unterwirft? Und ist es paternalistisch, wenn Männer entscheiden, welche Sportart Frauen betreiben?

Ach, es ist kompliziert. Freundinnen des Cheerleadings erzählen immer wieder von den Vorurteilen ihnen gegenüber. Und diese Vorurteile hängen auch mit Vorurteilen gegenüber Frauen im Allgemeinen zusammen. Im Cheerleading vorrangig einen Dienst des weiblichen Körpers am männlichen Sportstar zu sehen, bedeutet auch, die Frauen als Sexobjekte zu betrachten, die vermeintlich nicht selbst entscheiden können, was sie da tun. Selbst wenn Fans betonen, dass Cheerleading ein Teamsport ist und es Vereine gibt, die ausschließlich für eigene Meisterschaften Tanz, Akrobatik und Turnen trainieren. Im Wettbewerb gehören dann übrigens auch Männer zum Team, weil irgendwer die Girls ja in die Luft heben muss.

Auf der anderen Seite: Als die Cheerleader der Buffalo Bills, die Buffalo Jills, 2014 ihr Team verklagt haben, weil es – wie andere NFL-Teams übrigens auch – mutmaßlich gegen das Mindestlohngesetz der USA verstieß, wurde auch kritisiert, dass sich die Jills an strenge Regeln halten sollten. Es sei vorgeschrieben gewesen, welchen Friseur sie besuchen, dass sie bei öffentlichen Auftritten nicht zu meinungsstark sind und dass sie alle vier Stunden den Tampon wechseln, außer, wenn sie schlafen. Dass auch Frauen jahrzehntelang ein System mit aufrechterhalten haben, das Frauen in ihrer Freiheit einschränkt, macht es nicht besser. 

Die entscheidende Frage ist aber, ob Frauen in der Lage sind, Männerfantasien in ihrem Sinne umzudeuten. Madonna zum Beispiel trat im Cheerleaderkostüm bei ihren Liveshows auf. Behält sie die Kontrolle über das, was die Menschen in ihr sehen? Oder Beyoncé: Man kann beklagen, dass sie sich genau in dem Rahmen der ihr als Frau vorgeschriebenen Rollenklischees bewegt. Ist sie schon eine Feministin, weil sie ihr eigenes Geld verdient, neben einem berühmten Ehemann selbst berühmt ist und frei in Unterwäsche tanzt? Im Sinne der Emanzipation ist das doch 2019 eher eine Minimalforderung.

Schade, dass sich die Alba Dancers bisher nicht zu Wort gemeldet haben. Aber Cheerleading ist nun auch nicht dafür bekannt, dass sich die Betreiberinnen in gesellschaftliche Debatten einmischen wie Megan Rapinoe. Man wüsste gern, ob sie sich als selbstbestimmte Frauen begreifen. Denn es gibt eben auch die Theorie, dass ein selbstbestimmt dargestellter Frauenkörper zu Selbstermächtigung führt. Obwohl dieses Empowerment wohl eines der am schwierigsten zu bemessenden Heilsversprechen unserer Zeit ist.

Darf ein Vater seiner Tochter verbieten, Hotpants zu tragen? Oder schränkt sie das in ihrem positiven Körpergefühl ein? Er darf sie zumindest darauf hinweisen, dass die Sexualisierung der Frau nicht immer zu ihrem Vorteil ist. Genau das darf man auch beim Cheerleadingsport. Und die Tänzerinnen weiter anfeuern.