Der international bekannte Fotograf Peter Lindbergh ist tot. Dies bestätigte seine Familie und sein Studio in dessen Wahlheimat Paris. Über das Soziale Netzwerk Instagram wurde sein Tod ebenfalls gemeldet. Demnach starb er im Alter von 74 Jahren. Er hinterlässt vier Kinder und sieben Enkelkinder sowie eine "große Leere", wie es in dem Posting hieß. Die deutsche Ausgabe der Vogue würdigte ihn als einen der "größten Fotografen unserer Zeit".

Lindbergh arbeitete für berühmte Modeschöpfer wie Karl Lagerfeld, Jean-Paul Gaultier und Giorgio Armani sowie alle namhaften internationale Magazine wie Vogue oder Vanity Fair. Fotografiegeschichte schrieb er mit einem Bild von sechs späteren Models in weißen Hemden, das 1988 in der Vogue erschien. Hernach galt er als der eigentliche Schöpfer dieser Supermodels namens Naomi Campbell, Linda Evangelista, Tatjana Patitz, Christy Turlington und Cindy Crawford. Auch Claudia Schiffer und Kate Moss verdanken ihm die ausdrucksstärksten Fotografien ihrer Modelkarriere.

1944 unter dem Namen Peter Brodbeck in Polen geboren, wurde Lindbergh kurz darauf mit seiner Familie nach Deutschland vertrieben, wo sie sich in Duisburg niederließ. Nach seiner Lehre als Schaufensterdekorateur sowie eines Malerei- und Designstudiums in Krefeld arbeitete er zunächst als Werbefotograf. Mit 27 begann er eine zweijährige Ausbildung beim deutschen Fotografen Hans Lux, anschließend machte er sich selbstständig. Fünf Jahre später, 1978, hatte Lindbergh seinen Durchbruch mit einer Modefoto-Strecke für den Stern.

Danach arbeitete er mit nahezu allen namhaften Designern zusammen und definierte in seinen Aufnahmen den Begriff weiblicher Schönheit neu. So fotografierte die Models auch ungeschminkt und auch mal zerbrechlich. "Peter will, dass du nur du selbst bist", sagte einmal Karen Alexander, die der Fotograf 1988 als eines der ersten schwarzen Models auf das Cover der Vogue brachte. Das sei "viel schwieriger", als mit Make-Up und teuren Kleidern zu posieren.

Auf dem Kunstmarkt erzielten Lindberghs prägende Schwarzweißbildern zuletzt ähnlich hohe Preise wie die von internationalen Starfotografen wie Richard Avedon und Helmut Newton. Eine Porträtserie des Rolling-Stones-Gitarristen Keith Richards wurde 2014 in London für 150.000 US-Dollar verkauft. Ausstellungen wie die 2016 im Museum Kunsthal im niederländischen Rotterdam feierten Lindbergh als A Different History of Fashion.

Was einen guten Fotografen ausmache, sei eine Einstellung, eine Haltung, sagte Lindbergh einst über seine Arbeit. "Selbst Modefotografen – auch wenn man es nicht annehmen sollte – haben eine Form von Verantwortung", sagte er einst über seine Arbeit. Ein Fotograf sei jemand, "der zwanzig, dreißig Jahre mit einer Haltung durchs Leben geht, die sich in seinem Werk, in seiner Arbeit widerspiegelt. Ansonsten ist man bloß ein Bildermacher."

Auch deshalb prangerte Lindbergh die heutige Darstellung von Frauen in Medien an: "Es ist heute so vor den Hund gegangen, wie Frauen in Magazinen aussehen", sagte er. Das liege an Bildbearbeitungsprogrammen wie Photoshop, die alle Hinweise auf ein gelebtes Leben auslöschen könnten. Dies sei eine "ganz große Tragödie". Auch zum Thema Selfie war seine Meinung eindeutig: "Das Blödeste, was es gibt" – auch wenn es ihm durchaus Spaß mache, wenn er mal selbst eins knipse.