Margarete Schmitz war 48, als sie ihren Job verlor, und 50, als sie verstand, dass sie nie wieder eine feste Stelle bekommen würde. Katharina Meier ist noch keine 63 und schmeißt ihren Job demnächst hin, weil sie den Umgang mit ihrer Person im Büro nicht mehr erträgt. Mayako Kubo ist 71 und arbeitet bis zum Umfallen, weil ihre Rente unter dem Hartz-IV-Satz liegen würde. Einen Rentenantrag hat sie nicht gestellt. Die drei Frauen, die in komplett unterschiedlichen Branchen beschäftigt sind und von denen nur Kubo mit ihrem richtigen Namen in der Öffentlichkeit stehen möchte, eint eines – sie werden aus Altersgründen diskriminiert.

Margarete Schmitz hat irgendwann aufgehört, die Absagen auf ihre Bewerbungen zu zählen. Dabei war die einst hochdotierte Managerin im Bankenwesen noch optimistisch, als ihr vor sechs Jahren – für sie urplötzlich und aus ihr unerklärlichen Gründen – gekündigt wurde. Eine tiefe Kränkung, gewiss, aber sie war sich sicher: Ich bin Profi, ich bin vernetzt, ich habe bald wieder einen neuen Job. Doch da hatte sie sich getäuscht, bis heute hat sie keine feste Stelle gefunden, weder in der Bankenmetropole Frankfurt am Main, wo sie lebt, noch anderswo. Warum komme ich nirgendwo mehr rein? Sie verstand es lange nicht. Bis ihr ein Personalentscheider unverhohlen sagte: "Sie sind zu alt."

Simone Schmollack ist Journalistin und Buchautorin. Sie studierte Germanistik, Slawistik und Journalistik in Leipzig, Smolensk und Berlin. Sie war über zehn Jahre Autorin und Redakteurin der "taz". Ihre Themenschwerpunkte sind Frauen, Familie, Gender, Soziales, Ostdeutschland, Migration/Integration. Von Dezember 2017 bis Juni 2018 war sie Chefredakteurin der Wochenzeitung "Der Freitag". Sie ist Gastautorin von "10 nach 8". © Barbara Dietl

Ausgrenzung aufgrund des Alters trifft vor allem Frauen. Sobald sie die 50er-Grenze erreichen, haben sie auf dem Arbeitsmarkt eigentlich keine Chancen mehr. Und das in nahezu allen Bereichen: Medizin, Ingenieurswesen, Finanzbranche, Kultur, Medien, Tech-Branche. Während Männer mit Mitte 50 noch locker den Job wechseln können, wandern die Bewerbungen von älteren Frauen umgehend in den Ordner "ablehnen". Da können sie noch so kompetent, noch so erfahren, noch so engagiert sein. Wer mit älteren Frauen spricht, hört immer wieder ähnliche Geschichten: 40, 50, 60 Bewerbungen geschrieben, fast nie zum Gespräch eingeladen. Selbst bei Stellen unterhalb ihrer Qualifikation werden "die Alten" aussortiert.

Personalentscheider*innen schielen vor allem nach jungen Mitarbeiter*innen. Mit denen läuft es unkompliziert: Die Jungen wollen was werden, fügen sich also eher und schweigen, wenn sie mit Entscheidungen und Vorgängen nicht einverstanden sind. Oder, wie ein Abteilungsleiter mir mal sagte: "Wir nehmen keine alten Frauen, die kann man nicht mehr formen."

An dieser Stelle paart sich Altersdiskriminierung mit Frauenabwertung: Sobald Frauen über bestimmte Erfahrungen verfügen und verstehen, wie es läuft, können sie gefährlich werden. Sie könnten ja einen Anspruch auf Führungsposten erheben und möglicherweise einen Mann verdrängen. Oder, anders formuliert: Die männliche Angst vor Frauen, die keine Angst mehr haben, die sagen, was sie denken, die über Fachwissen verfügen und obendrein noch führen können, ist nach wie vor groß.

Katharina Meier erlebt das jeden Tag – seit sie einen jungen Chef hat. Sie ist eine professionelle Medienfrau, ihre Texte wurden immer gern genommen und gern gelesen. Doch der junge Mann, der seit einigen Jahren ihr Vorgesetzter ist, drücke sie regelrecht weg, sagt sie. Seit er das Sagen hat, darf sie nur noch Hilfsarbeiten ausführen. Neulich erst habe er ihr sogar das Redigat von Texten junger Volontär*innen entzogen. Sie fühle sich, sagt sie, zum Kaffeeholen degradiert. Und der junge Chef könne sich vor den Frauen "aufspielen".

An der Diskriminierung älterer Frauen konnte auch die vielgepriesene Frauenquote nichts ändern. Im Gegenteil, das Problem verschärfe sich, je mehr Frauen auf den Arbeitsmarkt drängten, sagt Monika Schulz-Strelow vom Verein FidAR, Frauen in die Aufsichtsräte: "Früher gab es nicht so viele Frauen, die gearbeitet haben. Und schon gar nicht so viele, die in Führungspositionen präsent waren." In den Jahren, seit Schulz-Strelow um mehr Frauen in Topjobs kämpft, hat sie eine Erfahrung gemacht: Wenn Unternehmen Frauen an der Unternehmensspitze einstellen müssen, weil Gesetz und modernes Leitbild dies so vorschreiben, haben vor allem junge, gut aussehende, digital affine Frauen eine Chance. Die Chefs seien froh, eine Frau gefunden zu haben – aber eben eine, die keine Gefahr darstelle.

Man kann es auch zugespitzt formulieren: Es geht Männern weniger darum, jungen Frauen eine Chance zu geben, sondern vielmehr um den eigenen Machterhalt. An dieser Stelle hat sich die Unternehmenskultur trotz Quotengesetz nicht ernsthaft gewandelt.