Dieser Sonderermittler war der mit Abstand am schlechtesten vorbereitete Zeuge im NSU-Ausschuss (die Kolumnistin hat alle Sitzungen verfolgt und protokolliert). Die Befragung des LKA-Beamten ging über Stunden und nie wusste er etwas. Er konnte noch nicht einmal sagen, ob die Leiche im oder außerhalb vom Imbiss erschossen wurde. Ein Sonderermittler soll also einen Serienmord ermitteln und weiß nicht, wo die Leiche erschossen wurde? Als der Ermittler aus dem Saal ging, warteten draußen zwei Beamte auf ihn, die ihm anerkennend auf die Schulter klopften. Setzt man sich als Innenminister nicht einen Abend vorher mit seinem Sonderermittler hin und schaut in die Akten? Möchte man willentlich keinen guten Eindruck vor dem Parlament machen? Will man sagen: Das ist uns alles egal?

Wie anders sähe das Land aus, wenn sich 1.000 oder 10.000 Menschen von der Nordkreuz-Feindesliste entschlössen, vor den Bundestag zu ziehen mit Plakaten, auf denen steht "Wir möchten nicht erschossen werden". Vorausgesetzt, die Betroffenen werden darüber informiert, dass sie auf der Liste stehen.

Der NSU führte übrigens auch solche Todeslisten. Mecklenburg-Vorpommern ist übrigens das Bundesland, das sich erst im vergangenen Jahr entschloss, einen Untersuchungsausschuss einzuführen. "In keinem Bundesland gibt es so viele unterschiedliche Verbindungen des NSU-Trios wie nach Mecklenburg-Vorpommern", sagte übrigens die NSU-Nebenklageanwältin Antonia von der Behrens, die als Sachverständige nach Schwerin eingeladen wurde. Übrigens, übrigens, übrigens ... So geraten jene Dinge zu Nebeninformationen, die doch permanent auf der politischen und medialen Tagesordnung stehen müssten.

Und deshalb bleibt die sehr simple Frage: Wann wird der Rechtsterrorismus von der Politik als politisches Problem begriffen? Und wann werden in Deutschland endlich Konsequenzen aus den Verstrickungen des Staates mit dem rechten Terror gezogen? Wann ist es endlich nicht mehr möglich, ein Polizeibeamter oder Innenminister zu bleiben, wenn man politisch und moralisch derart versagt hat?

Diese Dinge sprechen eine Sprache. Diese Dinge sickern durch die Gesellschaftsschichten. Von den Entscheidungsträgern runter zu Herrn Meier und Frau Öztürk. Deshalb ist jeder Mord, jedes Anzünden eines Asylbewerberheims, jedes Bespucken im öffentlichen Raum und jede Beleidigung einer Minderheit aus dem Parlament heraus, also alles das, was aus rechtsextremen Motiven geschieht, immer eine Gemeinschaftstat.

Diese Dinge sprechen schmerzhafte Wahrheiten aus. Nämlich, dass Antisemitismus und Rassismus sehr wohl einen Platz in der Gesellschaft und – das ist viel gravierender – in der Politik haben. Im Großen und im Kleinen. Und ja, es ist beschämend, diesen Satz so oft sagen müssen.