Dresden - "Der Staatsschatz des 18. Jahrhunderts" Diebe haben trotz strenger Sicherheitsvorkehrungen wertvolle Juwelen aus dem Grünen Gewölbe gestohlen. Betroffen sind insgesamt fast 100 Schmuckstücke. © Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Bei einem Einbruch in die Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden sind drei Juwelengarnituren gestohlen worden. Das gab die Direktorin der Museen, Marion Ackermann, bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Polizei und Staatsanwaltschaft bekannt. Demnach handelt es sich um drei Ensembles aus Diamanten und Brillianten, die einen "unschätzbaren kunst- und kulturhistorischen Wert" haben. Der Materialwert der Schmuckstücke sei hingegen nicht so hoch zu bewerten.

Der Kriminalpolizei zufolge gehen die Ermittler von zwei Tatverdächtigen aus. Auf Videoaufnahmen aus dem Museumszimmer seien zwei Männer zu erkennen. Dem Kriminalpolizisten zufolge sollen sie durch ein eigentlich vergittertes Fenster in das Gebäude gelangt und dann "zielsicher" auf die große Vitrine mit den Schmuckensembles zugesteuert sein. Diese hätten sie dann zertrümmert. Wie die Tatverdächtigen es schafften, das Fenstergitter zu durchtrennen und das Sicherheitsglas der Vitrine zu zerstören, ist bislang noch nicht geklärt.

Wie der Dresdner Polizeipräsident Jörg Kubiessa mitteilte, ereignete sich der Einbruch gegen fünf Uhr morgens. Um 4:59 Uhr sei der erste Alarm eingegangen, gefolgt von Hinweisen auf einen Brand an einem Verteilerkasten auf dem Theaterplatz. Laut des Leiters der Kriminalpolizei, Volker Lange, werde geprüft, ob es zwischen beiden Ereignissen einen Zusammenhang gibt. Durch den Brand sei die Straßenbeleuchtung komplett ausgefallen. Sicherheitspersonal des Museums hätten auch von einem möglichen Fluchtfahrzeug berichtet. Zugleich ermittle die Polizei im Fall eines Fahrzeugbrands, der im Zusammenhang mit dem Juwelendiebstahl stehen könnte.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) zeigte sich bestürzt über den Einbruch. "Nicht nur die Staatlichen Kunstsammlungen wurden bestohlen, sondern wir Sachsen", sagte er. Die Werte, die im Grünen Gewölbe und im Residenzschloss zu finden sind, seien von den Menschen im Freistaat über viele Jahrhunderte hart erarbeitet worden. "Man kann die Geschichte unseres Landes, unseres Freistaates nicht verstehen, ohne das Grüne Gewölbe und die Staatlichen Kunstsammlungen Sachsens", sagte der Regierungschef.

Wertvollster Diamant derzeit in New York

Die Räume des historischen Grünen Gewölbes, das seinen Namen durch die teils malachitgrüne Bemalung erhielt, entstanden bereits im 16. Jahrhundert. Ab 1723 baute sie der sächsische Kurfürst und polnische König August der Starke (1670-1733) zur Schatzkammer aus. Im Zweiten Weltkrieg wurden das Residenzschloss und mit ihm Teile des berühmten Gewölbes weitgehend zerstört.

Heute befinden sich dort die Staatlichen Kunstsammlungen – aufgeteilt auf zwei Ebenen. Im Erdgeschoss wurden die Räume für die historische Sammlung weitestgehend authentisch wiederhergestellt. Eine Etage darüber zeigt das Neue Grüne Gewölbe besondere Einzelstücke.

Dazu gehört auch der Grüne Diamant, eines der wertvollsten Stücke des Museums und derzeit im Metropolitan Museum of Art in New York zu sehen. Das Hut-Schmuckstück mit dem einzigartigen Stein von 41 Karat gilt als spektakulärste Leihgabe der Ausstellung Making Marvels: Science and Splendor at the Courts of Europe.