Und die Macht haben die Boomer ja auch noch, wenn wir sie mit einem Meme ein bisschen nerven. 52 Prozent der Bundestagsabgeordneten aus den Regierungsparteien sind Babyboomer, obwohl diese Generation nur 23 Prozent der Bevölkerung ausmacht. Die Diversität ist im gesamten Bundestag auch nur marginal besser. In anderen Worten: Diese 15 Jahrgänge bestimmen nicht nur den öffentlichen Diskurs, sie regieren Deutschland momentan auch ohne ernsthafte Opposition.

Mit dieser Macht geht natürlich die Verantwortung einher, kompetente und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Insbesondere, wenn die vor allem andere Altersgruppen betreffen. Ihr lebt alle nicht unter Steinen und Ihr wisst genau, worauf ich anspiele. Ob beim Klimaschutz oder bei der Digitalgesetzgebung: Allein aufgrund der Schere zwischen häufig fehlenden Kompetenzen oder auch nur einem Willen für nachhaltige Politik und der gegenüberstehenden überproportionalen Macht wäre es mehr als verständlich, wenn die Jüngeren ab und zu ein augenrollendes "OK, Boomer" raushauen. Zumal ja oft auch noch Lügen und Diskreditierungen dazukommen: Wenn Volksvertreter behaupten, die Jungen seien sowieso alle von Google gehirngewaschen und hätten keine eigene Meinung, oder wenn die Reaktion von gewählten Abgeordneten auf Klimastreiks erst mal nur was mit Schuleschwänzen zu tun hat, dann ist "OK, Boomer" eben noch das Konstruktivste, das man diesen Respektlosigkeiten entgegnen kann. 

All das gilt natürlich besonders vor dem Hintergrund, dass die jungen Boomer-Kritiker in solchen Fällen aufseiten der Experten (Ja, das können natürlich dem Alter nach auch Boomer sein, ebenso wie übrigens auch deutlich jüngere Menschen eine nervige Boomerattitüde an den Tag legen können), der Wissenschaft und der Logik stehen und ihre Standpunkte zumeist friedlich mit Petitionen und Demonstrationen klarmachen. Wenn also Artikel davon sprechen, dass der Frieden der Generationen mit "OK, Boomer" gekündigt wurde, frage ich mich, weshalb das nicht bereits im Kontext der ständigen Respektlosigkeiten durch Worte und Taten der Boomergeneration gesagt wurde.

Am Ende, liebe Boomer, kann ich verstehen, wenn sich "OK, Boomer" merkwürdig anfühlt. Und es ist nicht cool, wenn Leute diesen Spruch an den falschen Stellen benutzen, um den Gesprächspartner mundtot zu machen. Aber eigentlich sind diese zwei Worte lediglich Ausdruck kollektiver Erschöpfung von Generationen, die durch konstruktives demokratisches Verhalten ständig auf irrationale Politik der Boomer stoßen, deren zerstörerische Folgen nicht die Alten, sondern die Jungen ertragen müssen. 

Diese Jungen wollen keinen Kampf. Oder besser: Wir können uns den Kampf gar nicht leisten, weil unsere Zukunft und das Überleben unserer Kinder und Enkel von Eurer jetzigen Kooperation abhängt. Wir können also nicht auf die Lügen und Diskreditierungen von Boomerpolitikern ebenfalls mit Lügen und Diskreditierung antworten. Auch weil wir wissen, wessen Sichtweise danach die Berichterstattung einnimmt. 

Also seht es uns nach, wenn wir einmal zu oft genervt "OK, Boomer" sagen. Es ist ja auch nervig, kein Boomer zu sein. Peace.