Nach acht Tagen im Weltraum, davon zwei Stunden auf dem Mond, setzten am 24. Juli 1969 Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins in der Raumkapsel Columbia kopfüber und mit 35 Stundenkilometern etwas unsanft im Pazifik auf. Buzz Aldrin präsentierte auf Twitter schon mehrfach ein ungewöhnliches Andenken an seinen Trip: seine Reisekostenabrechnung.  

Lakonisch machte Aldrin darin 33,10 US-Dollar für die Reise via "Houston, Cape Kennedy, Moon, Pacific Ocean and return to Houston" geltend. Für die Astronauten als Angestellte der National Aeronautics and Space Administration war die Mondlandung eine Dienstreise, und Aldrin war die ersten 13 der circa 1,5 Millionen Kilometer mit seinem Privatwagen gefahren. Das Dokument enthüllt die Bürokratie als die Rückseite der Raumfahrt.

Das Formular war Aldrin wichtig genug, dass er es noch während der dreiwöchigen Quarantäne ausfüllte, in die die Mondbesucher der Apollo-Missionen zwecks Schutzes vor Kontamination gesteckt wurden. Um einen Menschen auf den Mond zu bringen, braucht es eben nicht nur die 3,3 Millionen Liter Treibstoff einer Saturn-V-Rakete, sondern vor allem gute Planung und Administration. Welche andere Erfindung der Moderne könnte ein Projekt wie die Mondlandung bewerkstelligen, wenn nicht die staatliche, bürokratische Verwaltung? 

Dieser Artikel stammt aus der Novemberausgabe des "Merkur". © Klett-Cotta

Die Mondlandung war nicht die Leistung von tollkühnen Abenteurern wie die ersten Ballon- oder Flugzeugpiloten, sondern von coolen Technokraten. Der "giant leap for mankind" ist, wie die dienstliche Autofahrt im privaten PKW, ein Verwaltungsakt, trocken wie Mondstaub.

Die Nasa löste Unsicherheiten und Gefahren nicht mit Intuition und Adrenalin, sondern mit formaler Organisation. Mitte der 1960er Jahre, während die Nasa erste bemannte Testflüge in der Erdumlaufbahn durchführte, beschrieb der Lüneburger Regierungsbeamte Niklas Luhmann eine formale Organisation als die Festlegung und Kontrolle von Erwartungen. Eine Organisation läuft dann besonders gut, wenn jeder weiß, was er zu tun hat, und sich auf die Arbeit der anderen verlassen kann.

Diese Festlegung von Erwartungen trieb die Nasa auf die Spitze, der Ablauf einer Mission war peinlich genau bis auf die Sekunde durchgeplant. Für alle möglichen Manöver führte die Nasa Protokolle und Vorschriften. Wie penibel diese Planungen waren und wie brenzlig Abweichungen, zeigt eine Episode aus der Apollo-8-Mission 1968. Apollo 8 war eine Expedition in die Umlaufbahn des Monds. Die drei Astronauten an Bord bekamen so als erste Menschen überhaupt die erdabgewandte Seite des Monds zu sehen. Eine Umlaufbahn in der Raumkapsel um den Mond dauerte dabei gute zwei Stunden.