Versteht sich: eine Kontonummer, die braucht es für die Spenden. Wer demnach Brot für diese Welt spendet, der spendet gar kein Brot. Er spendet weder Grund‑ noch andere Nahrungsmittel, er lässt lediglich eine Zahl von seinem Konto abziehen und sie einem anderen addieren. Doch wenn alles gut geht, werden sich Menschen von dieser Zahl nähren. Das ist seltsam, doch wie das zugeht und dass es so zugehen muss, versteht sich heute ganz von selbst.

Selbstverständlich spendet da niemand Brot, man spendet Geld für die Welt. Und mit diesem Geld wird irgendwo und irgendwann erst jenes Brot gekauft, das hoffentlich den Hunger stillt: ein kleiner, wenn auch folgenreicher Umweg. Selten wohl wird das Geld dabei namentlich für Brot ausgegeben, sinnvoller kauft man etwas, das nachhaltiger zu Nahrung verhilft, zum Beispiel: "100 € ermöglichen die Anschaffung eines Wasserbüffels für die Feldarbeit auf den Philippinen", so der Flyer. Doch dabei klärt sich noch eine andere Selbstverständlichkeit: Es mangelt gar nicht an Brot und Nahrung für diese Welt − sie sind ja da, sie lassen sich anschaffen! Getreide, Tatkraft, Wasserbüffel, alles, was die Menschen für ihr täglich Brot benötigen, gibt es auf der Welt, es muss bloß noch gekauft und bezahlt werden, dann kann es Hunger stillen.

Folglich müsste niemand hungern − weshalb muss dann jemand hungern? Weil erst Geld die Welt mit Brot versorgt? Weil erst Geld dafür da sein muss, um alles das zu kaufen? Weil zuerst Geld das eine große Lebensmittel ist, mit dem sich alle anderen besorgen lassen? Ja, eben deshalb: In dieser Welt wird gehungert, nicht weil Brot, sondern weil das Geld fehlt.

Es hängt am Geld, das versteht sich. Und es bedeutet: Die 100 € braucht es, um den Büffel anzuschaffen, nicht jedoch, um ihn zu schaffen. Im Moment fehlen lediglich diese 100 €, die deshalb jemand spenden soll, aber es fehlt nicht der Wasserbüffel. Er steht ja zum Verkauf, es gibt ihn, jetzt, er lebt: Er steht sozusagen schon mit zweien seiner vier Beine auf dem philippinischen Feld. Nur loslegen kann er erst, wenn die 100 € kommen, dann und nur dann gibt es ihn auch wirklich − "für die Feldarbeit auf den Philippinen". Ohne die 100 € gilt, dass es den Büffel, den es gibt, nicht gibt. Wenn das Geld nicht aufgebracht wird, wird es ihn für die nicht geben, denen er Nahrung und Überleben bedeutet. Kein Geld, kein Brot – auf dieser Welt.

Daraus ziehen wir eine simple Schlussfolgerung: Es bräuchte nur genug Geld, und niemand müsste hungern. Geld schafft die Lebensmittel, denn es schafft sie an, und je mehr Geld, desto mehr vermag es anzuschaffen. Das ist wohl wahr − und ist doch entsetzlich falsch.

Seit langem schon tut Geld, was wir da als Rettung imaginieren, und wird erfolgreich mehr und mehr. Käme es wirklich auf die Menge Geld an, die wäre längst groß genug, um allen Hunger dieser Welt zu stillen. Er wurde aber nicht gestillt. Denn nicht zu wenig, seltsamerweise gibt es gar zu viel des Geldes. Zu viel davon ist unterwegs, denn das bemisst sich nicht am Hunger, bemisst sich nicht an der Menge von Lebensmitteln, die davon anzuschaffen wären, sondern bemisst sich ganz allein am Geld selbst. Bei der immensen Menge, in der das Geld heute weltweit unterwegs ist, findet es zwar noch immer lohnende Anlagen, in die es "gehen" kann, aber nicht genug, um – was es muss − ausreichend mehr zu werden: Dafür gibt es zu viel Geld. Dieses Zuviel sorgt nicht für einen Überfluss, der dem Hunger ein Ende setzen würde.

Dass es so sein muss, zeigen schon die 100 € für den Büffel. Denn Geld, dasselbe Geld, von dem die Menschen leben müssen, scheidet sie zuvor von dem, was sie zum Leben brauchen. Bevor Geld die Lebensmittel verschafft, schließt es jeden, der nicht zahlen kann, von ihnen aus. Die Lebensmittel gibt es nur für die, die sie kaufen, und also nicht für die, die sie nicht kaufen können. So existiert der Büffel und existiert er zugleich nicht. Geld ist nur Geld, indem es als Schranke fungiert. Den Zwang, etwas zu kaufen, setzt das Geld so weit wie nur möglich vor alles, was man brauchen oder wünschen kann, und wäre es die Nahrung, ohne die ein Mensch verhungert. Gebieterisch und unerbittlich erhebt sich das Geld vor allem, was man gegen Geld bekommt, und schließt erst einmal alle davon aus: damit sie es nur gegen Geld bekommen.

Geld schließt aus von dem, was Geld verschafft, damit es Geld ist, was alles das verschaffen kann. Zum Füllhorn wird das Geld allein durch diesen Ausschluss, durch einen Mangel, den allein das Geld erzwingt. Die kleine, tödliche Einschränkung – es gibt den Büffel, aber nur dann, wenn – spricht das Wesen des Geldes aus.

Chemie ist die Wissenschaft von den Eigenschaften, der Zusammensetzung und der Umwandlung von Substanzen und ihren Verbindungen. Eine Chemie des Geldes muss es geben, wenn zutrifft, was die meisten werden glauben wollen: dass es der Wert der Dinge sei, den man mit Geldeswert bezahlt. Dann nämlich müsste sich Wert als eine Art Substanz nachweisen lassen, im Geld sowohl als in den Dingen.