Auch hier kann man jetzt sagen: Pah, Luxusprobleme! Man kann aber auch sagen: Job, Wohnung oder Beziehung sind so grundlegende Aspekte des Lebens, dass sich die drastisch steigende Unsicherheit und Unplanbarkeit in diesen Dingen natürlich auf den Zeitgeist der betroffenen Generationen auswirkt. Wenn dann auch noch die Angst vor den Folgen der Klimakatastrophe hinzukommt, wird es richtig prekär – und für frühere Generationen eventuell schwer zu verstehen. Ein beliebtes Argument von Boomern ist ja, dass sie die Angst vor dem Ende der Welt oder unserer Zivilisation auch kennen, etwa aus der Zeit des Nato-Doppelbeschlusses. Beziehungsweise: dass sie die Angst WIRKLICH kennen, weil ein Atomkrieg zwischen den beiden großen Machtblöcken damals die Welt viel schneller und grundlegender zerstört hätte, als es die Klimaveränderung heute tut oder ein Krieg in der Golfregion heute tun würde. 

Dieses Argument lässt sich aber auch genau umdrehen: Zum einen existiert das Risiko eines nuklearen Kriegs grundsätzlich immer noch. Zum anderen ist die Angst vor einem atomaren Holocaust sozusagen binär – entweder es passiert nichts oder große Teile der Erde samt dort lebenden Menschen sind am Arsch. Es ist eine abstrakte Sorge über einen Zustandswechsel der Situation. Bei der Klimakatastrophe ist es anders: Es wird sie geben. Das können wir nicht mehr verhindern. Man bekommt anders als beim Kalten Krieg regelmäßig das Inferno der aktuellen Folgen vor Augen gehalten und das wird sich nicht mehr ändern. Es werden viele Menschen, viele Tiere und Landstriche zugrunde gehen. Die Frage ist lediglich: Wie viele? Paar Millionen Tote oder paar Hundert Millionen? Paar Millionen Flüchtlinge oder wirklich die paar Hundert Millionen, von denen Experten aktuell ausgehen?

Für die jüngeren Generationen gilt somit im Unterschied zu den vorherigen Generationen: Das Einzige, worauf man sich verlassen kann, ist eine bereits stattfindende katastrophale Zerstörung unserer Lebensgrundlagen, deren Ausmaß wir lediglich dann reduzieren könnten, wenn mächtige reiche alte Leute endlich mal aufhören würden, die Erde aktiv weiter zu zerstören, im Zweifel für die Rendite. Grüße gehen raus an den Siemens-Chef Josef Kaeser.

Aber auch das passt ja ins Bild, zumindest hierzulande: Millennials und Gen Z kennen politisch gesehen kein Gefühl der Kontrolle oder dass sie ernsthaft etwas in diesen Verhältnissen bewegen könnten. Das Ungleichgewicht der Generationen in ihrer Wahlmacht und der Anzahl von Abgeordneten im Bundestag habe ich bereits einmal beschrieben.

Bei dieser Analyse soll es natürlich nicht um irgendein "Welche Generation hat es schlechter"-rumheul-Spiel gehen, denn natürlich hatten und haben auch vorherige Generationen ihr Päckchen zu tragen (und alle vor den Boomern sogar eher ganze Pakete). 

Es geht vielmehr darum, anzuerkennen, dass verschiedene Generationen verschiedene Probleme und Herausforderungen haben. Ich kenne zum Beispiel die Ängste eines Boomers vor baldiger Altersarmut nicht aus meinem Leben und sollte diese Ängste dennoch verstehen und respektieren. Boomer kennen dagegen vielleicht unsere Ängste nicht in der Form, wie ich sie hier beschrieben habe.

Umso wichtiger ist es, dass der Galgenhumor junger Menschen in der Meme-Kultur nicht als profan oder albern angesehen wird, sondern als Resultat begründeter Verzweiflung. Wenn dieser Zusammenhang richtig verstanden würde, das wäre schon hilfreich. Denn gegenseitiges Verständnis ist eine wichtige Grundlage, um generationenübergreifend die Welt besser zu machen. Peace.