Ich denke, dass meine Kolumne bestimmt in erster Linie von coolen internetaffinen Leuten gelesen wird. Für alle anderen erkläre ich noch mal kurz, was ein Meme ist. Ein Meme ist im Regelfall ein humoristisches Bild oder kurzes Video, das auf eine den Zuschauern bekannte popkulturelle Sequenz oder eine in dem Kulturraum wiederkehrende Pointe zurückgreift. Als zwischen USA und Iran zuletzt der Konflikt um den getöteten General Kassem Soleimani weltpolitisch bedrohliche Züge annahm, lag diese Form der Komik besonders nah: Die Diskrepanz zwischen der ernsten Weltkriegsthematik und der Präsentation von Memes unter dem Stichwort WWIII, die oftmals einfach nur absurd albern und ohne einen satirischen Anspruch daherkommen, trug sie schon in sich.

So wurden zum Beispiel Witze darüber gemacht, einem Kugelhagel tanzend auszuweichen, entferntere Familienangehörige, die für ein anderes Land kämpfen, im gegenseitigen Feuergefecht zu grüßen, oder erleichtert zu sein, dass diesmal nicht Deutschland für einen Weltkrieg verantwortlich ist. Auch das Thema, wie man einer Zwangsrekrutierung entgehen kann, kommt häufig vor oder es werden andere popkulturelle Aspekte auf absurdeste Art mit dem Weltkriegssetting verbunden. Solche Memes waren in den letzten Wochen ziemlich beliebt, allein auf TikTok wurden sie milliardenfach gesehen.

Trotzdem muss man sich natürlich fragen, weshalb Millennials und Gen Z nun als mutmaßlich erste Generation der Geschichte massenhaft solche Witze produzieren. Ich zumindest wüsste nicht, dass vorherige Generationen in ihrer Jugend darüber gelacht haben, dass ihre Welt vielleicht bald untergeht. Die Friedensbewegung der Achtzigerjahre soll ja eine eher ernste Sache gewesen sein und auch ganz früher wurden vielleicht derbe Witze in akuter Lebensgefahr gemacht, von Soldaten an der Front etwa, aber kaum vorab in vermeintlich sicheren und privilegierten Zusammenhängen, die es aber braucht, damit man lustige Homevideos ins Internet hochladen kann und will. 

Man kann das jetzt natürlich als Geschmacklosigkeit von Leuten abtun, die es in ihrem Leben bisher "zu gut" hatten und sich deshalb nicht vorstellen können, wie schrecklich Krieg ist. Andererseits: Wieso sollte er sie dann überhaupt interessieren? Wenn das Grauen nicht wenigstens geahnt würde, würden ja die ganzen Pointen überhaupt nicht funktionieren.

Man muss kein Psychologiestudium abgeschlossen haben, um zu erkennen, was der Anlass solcher Memes ist: Angst und Verunsicherung. Humor als Bewältigungsstrategie ist wissenschaftlich gut erforscht und tritt oft im Umgang mit Dingen auf, die man nicht beeinflussen oder verhindern kann. Er entspringt dann einem Ohnmachtsgefühl, einem Kontrollverlust über das eigene Leben.

Damit sind wir aber auch schon in der sonstigen Lebensrealität von Millennials und Gen Z, von der man nicht zuletzt in Deutschland sagen kann: Sie ist geprägt von einer negativen Unsicherheit. So ist nicht in allen Altersgruppen über die letzten Jahrzehnte der Anteil von befristeten Jobs signifikant gestiegen, sondern nur bei den unter 35-Jährigen. Bei denen aber hat sich der Anteil teilweise vervielfacht. Solche atypischen Arbeitsverhältnisse, also unsichere Jobs, sorgen in Beziehungen teilweise für ein höheres Trennungsrisiko und verhindern, dass Menschen – selbst wenn sie es wollen – irgendwo ankommen und sesshaft werden. Es ist also auch kein Wunder, dass die Anzahl der Ersterwerber von Eigenheimen drastisch abnimmt. Lebenslang zu mieten ist natürlich teurer, also zahlt man aufgrund der Jobunsicherheit auch noch drauf und selbst dort ist eine ständige Unsicherheit am Start, weil die Mietpreise etwa doppelt so schnell steigen wie das Einkommen und der Anteil, der für Miete draufgeht, sich im Vergleich zu den Sechzigerjahren etwa verdreifacht hat.