Zugegeben, das ist jetzt super privat und gehört sich nicht. Denn normalerweise hat die Kolumnistin bei jedem anderen Politiker eine Eiswürfelmaschine, wo andere ein Herz haben, aber bei Markus Söder ist sie machtlos. Ganz gleich, ob Söder sein Spaceshuttle (Bavaria One Mission Zukunft) vorstellt, Welpen in die Kamera hält ("Das ist Idefix") oder Bäume schmust – immer schaut er dabei wie eine verdutze Kaulquappe, und man denkt, der Typ ist bal, Bonbon, Baklava! Er ist einfach nur süß, verdammte Scheiße! Wenn Gott einen Funken Erbarmen mit dem deutschen Volk hat, wird er Söder ein Zeichen senden, damit dieser den Ruf erhöre und sich zum nächsten Kanzler krönen lasse. Kanzler, ach was! König Markus, fertig, aus.

Wenn man Söder googelt, erfährt man, wie er im Minutentakt Vorschläge macht. Die Medien berichten nur deshalb nicht in Echtzeit darüber, weil man die anderen Ressorts ausdünnen müsste, um Platz für ihn und seine Welt zu schaffen. Ohnehin sollte man, wenn es nach der Kolumnistin ginge, sämtliche Zeitungen umbenennen und nur noch über ihn berichten, Söder im Spiegel, Der goldene Söder oder einfach Söder. Dass dieses an Geist, Witz und Esprit geizende Deutschland nicht sieht, welchen Schatz er birgt, ist einem auch klar. Trotzdem tut es weh, dass niemand erkennt: Andere Länder haben Öl, wir haben Söder. Und dieser Söder sprudelt und sprudelt. Kein Zweifel, er ist das Katar unter den Ministerpräsidenten.

Allein in der vergangenen Woche schlug er vor, aus München einen eigenen Regierungsbezirk zu machen, 3.000 Beamte in umliegende Provinzen zu verlegen, sämtliche Behörden über das Bundesland zu verteilen und alles in allem wolle er Bayern neu einteilen. Entsprechend groß war die Überraschung. Der Merkur kommentierte: "Spektakulär." Der Merkur verhält sich zur CSU wie das Schön-für-mich-Magazin zu Rossmann. Es handelt sich um ein Fachmedium zum Zwecke der Wählerbindung. Bei "Bayern neu einteilen", wie Merkur Söders Pläne zusammenfasste, denkt man natürlich sofort an Gebietsreformen und neue Grenzziehungen. Soweit man weiß, saß Söder bei diesen Plänen aber nicht mit seiner Hündin Bella ("ein absoluter Wirbelwind") in einer Hütte auf dem Obersalzberg über das Reißbrett gebeugt, weshalb kein Anlass zur Sorge besteht. Seine Labradorhündin Fanni starb übrigens vergangenen September ("Zwölf Jahre war sie im Herzen der Familie. Wir werden sie sehr vermissen").

Söders Kollegen reagierten über die Idee zur Behördenreform sehr überrascht. Überhaupt wäre dann alles anders, München der achte Regierungsbezirk, formal nicht mehr Oberbayern, und neue Wahlkreise gäbe es auch. Wie sich das auf die Stimmengewichtung bei Wahlen auswirkt, darüber erfährt man noch nichts, aber Söder wäre nicht Söder, wenn er sich da irgendwelche Patzer erlauben würde. Er nannte das ganze "eine Liebeserklärung an Bayern", und man freut sich, dass hier einer auf Sprache aus dem Politberatungslabor pfeift und einfach sein Herz sprechen lässt. Er hat ein gutes Herz.

Nein, nein, das war natürlich nicht alles. Die Woche hat schließlich sieben Tage und so eine Bayernrenovierung macht der Söder nahezu nebenbei, an der Würstelbude, während er zutschelt. Er hat sich auch über das Kabinett Gedanken gemacht und beschlossen, dass es verjüngt gehört. Sein eigenes Kabinett in Bayern ist bereits paritätisch, und als nächstes sei das Bundeskabinett dran. Er wird, wenn es sein muss, andere Minister nach Berlin entsenden.