• Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat die chinesische Führung für den Umgang mit der Epidemie kritisiert. Millionenstädte abzuriegeln bringe nichts.
  • Der chinesische Arzt aus Wuhan, der das Virus im Dezember erstmals meldete, ist laut Medienberichten an den Folgen der Lungenkrankheit gestorben.
  • In Deutschland ist die Zahl der Infektionen auf insgesamt 13 gestiegen. Auch die Ehefrau eines Infizierten wurde positiv auf das Virus getestet. Allen Erkrankten geht es Behördenangaben zufolge aber gut.
  • Die Zahl der Toten und Infizierten ist erneut gestiegen. In China gibt es nach offiziellen Angaben mittlerweile 563 Tote und 28.018 registrierte Infektionen.
  • China kündigte an, dass eine Gruppe Probanden unter den Erkrankten ein neues Medikament von einem US-Hersteller nehmen sollen. Ob es wirkt, ist aber unklar.
  • Immer mehr Länder lassen Menschen aus Festland-China nicht mehr einreisen. Auch Fluglinien setzen nach und nach ihren Linienverkehr nach China aus.
  • Die Weltgesundheitsorganisation WHO wird am nächsten Dienstag und Mittwoch einen Expertengipfel zum Coronavirus abhalten. Sie sieht noch keine Pandemie, hat aber den internationalen Gesundheitsnotstand erklärt.
  • Lesen Sie hier unseren Schwerpunkt zum Coronavirus und seiner Ausbreitung. Die Johns Hopkins University in Baltimore dokumentiert alle Fälle in einer interaktiven Karte. In unserer FAQ klären wir zudem die wichtigsten Fragen und Antworten.
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Tina Groll

Aus Sicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist der weitere Verlauf der Epidemie schwer vorherzusagen. In der kommenden Woche soll es einen Gipfel von Expertinnen und Experten geben. Außerhalb der besonders betroffenen Gebiete in China scheine die Lage im Moment allerdings relativ stabil zu sein, teilte die WHO mit.

Unterdessen zeigt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap, dass neun von zehn Deutschen keine Angst vor dem Virus haben. 89 Prozent gaben an, keine Angst davor zu haben, dass sie oder Familienmitglieder sich anstecken könnten. Bei sieben Prozent der Befragten war die Angst dagegen "groß" und bei drei Prozent "sehr groß".

Damit beenden wir dieses Liveblog für heute.
Tina Groll

Der taiwanische Elektronikkonzern Foxconn will wegen der Ausbreitung des Virus seine Beschäftigten einer Fabrik in Zhengzhou unter Quarantäne stellen. So soll sichergestellt werden, dass die Produktion von iPhones für den US-Konzern Apple in der kommenden Woche wieder anlaufen kann. Das Unternehmen will die Belegschaft mindestens für sieben Tage isolieren.

Unterdessen befürchtet Indonesien starke Einbußen in der Tourismusbranche. Wenn im schlimmsten Fall das ganze Jahr über weniger Reisende vor allem aus China kommen, könnte sich das Minus auf vier Milliarden Dollar belaufen, sagte Tourismusminister Wishnutama Kusubandio. Schon bis Januar habe es auf der bei Reisenden besonders beliebten Insel Bali rund 10.000 Stornierungen gegeben. Viele Touristinnen und Touristen aus China konnten ihre Reise nicht antreten.

Die Ausbreitung des Coronavirus wirkt sich auch auf den Messe- und Veranstaltungskalender in China aus. Mehr als zwei Dutzend Branchentreffen und Konferenzen in Asien sind auf Druck der chinesischen Regierung wegen der Infektionsgefahr verschoben worden. In der Vergangenheit schlossen Unternehmen bei diesen Gelegenheiten Geschäfte im Wert von vielen Milliarden Dollar ab.

So wurde etwa die Import- und Exportmesse Kanton (Canton Fair), die Mitte April starten sollte, auf unbestimmte Zeit verschoben. Allein auf dieser Frühjahrsmesse unterzeichneten Firmen im vergangenen Jahr Deals im Wert von 29,7 Milliarden Dollar.

Tina Groll
Das Coronavirus wirkt sich auch zunehmend auf den Sport aus. Besonders in Sportarten, in denen China sehr stark vertreten ist, wie die Kollegen vom Sportressort hier erklären.

Das Virus ist auch beim Deutschen Badminton-Verband ein Thema. Der von Menschen aus Asien dominierte Sport bekomme zunehmend Probleme, weil die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio in vollem Gange ist, teilte der Verband mit. Bis Ende April finden jede Woche internationale Turniere statt, bei denen Weltranglistenpunkte gesammelt werden können. Eine Idee sei, den Qualifikationszeitraum für beendet zu erklären.

Ende vergangener Woche wurde das China Masters abgesagt. Zudem gibt es Überlegungen, die Badminton-Asienmeisterschaften abzusagen, die Ende April in Wuhan stattfinden sollen. In Deutschland wird geprüft, die vom 3. bis 8. März stattfindenden German Open auszutragen. Fast die gesamte Weltspitze hat sich angemeldet, auch knapp 40 chinesische Athletinnen und Athleten plus Betreuerstab.

Auch die Formel-1-Führung erwägt eine Verschiebung des Grand Prix von China in Shanghai vom 19. April ans Jahresende. Es ist das vierte Saisonrennen. Der Motorsport-Weltverband FIA hatte zuvor angekündigt, den Kalender der bevorstehenden Rennen bewerten zu wollen.
Tina Groll

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat den Umgang der chinesischen Behörden mit dem Coronavirus kritisiert. "Es hat große Probleme bei Chinas Antwort auf das Coronavirus gegeben, die den Ausbruch verschlimmert haben", sagte HRW-Chef Kenneth Roth. Er verwies insbesondere auf die "Unterdrückung" von Berichten über die Krankheit zu Beginn des Ausbruchs.

"Es gibt keinen Platz für Geheimhaltung bei der Bekämpfung einer Epidemie", sagte Roth. Die öffentliche Gesundheit müsse "vor den Erhalt einer bestimmten politischen Macht gestellt" werden. Die Menschenrechtsorganisation kritisierte auch, dass in China eine Reihe von Städten mit insgesamt rund 56 Millionen Menschen de facto unter Quarantäne steht. "Quarantänen dieser Art funktionieren üblicherweise nicht", sagte Roth.

Saudi-Arabien hat unterdessen Reisen nach China für die eigene Bevölkerung verboten. Wer dagegen verstoße, werde zur Verantwortung gezogen, meldet die Nachrichtenagentur SPA. Zudem dürfen Expats, die in Saudi-Arabien wohnen, nicht zurückkehren, wenn sie nach China gereist sind.

Taiwan wiederum will seinen Visaservice für Bürgerinnen und Bürger aus den beiden chinesischen Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macau einschränken. Die meisten Anträge würden ab Freitag nicht mehr bearbeitet, teilte die Führung in Taipeh mit. Menschen aus Festlandchina wird seit Donnerstag die Einreise verweigert.

Die Fluglinie Air France-KLM teilte indes mit, China nicht weiter anzufliegen. Bis zum 15. März würden alle Flüge nach China gestrichen. Geplant ist, dass ab 29. März wieder der normale Flugplan gilt. Die spanische Iberia will China sogar bis mindestens Ende April fernbleiben. Die Lufthansa hatte ihre Flugpause bereits am Montag ausgedehnt. Die Airline selbst sowie die Lufthansa-Gesellschaften Swiss und Austrian Airlines fliegen bis zum 28. Februar nicht nach Peking und Shanghai. Die übrigen Ziele Nanjing, Shenyang und Qingdao werden demnach bis zum Ende des Winterflugplans am 28. März nicht angeflogen. Die britische Fluggesellschaft Virgin Atlantic erklärte, die Verbindung von London nach Shanghai werde noch bis mindestens 28. März ausgesetzt.

Tina Groll
Um die zunehmende Zahl der Kranken zu bewältigen, wandelt Wuhan weitere Hallen und Gebäude in vorübergehende Bettenlager um. Eine Ausstellungshalle, in der 1.600 Betten aufgestellt wurden, nahm erstmals Patientinnen und Patienten auf. In zwei weiteren Einrichtungen sollen 2.800 zusätzliche Betten zur Verfügung gestellt werden. Besonders Infizierte mit milden Symptomen sollen dort untergebracht werden.

In Wuhan allein stieg die Zahl der bestätigten Infektionen innerhalb eines Tages um 1.700 auf mehr als 10.100. Die 28 ausgesuchten Krankenhäuser, die für Coronafälle bestimmt sind, bieten nur 8.250 Betten. Die Stadt will daher auch noch Hotels, Schulen, Turnhallen, Sportzentren und andere Stätten in Aufnahmelager umwandeln, wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.
Tina Groll
In Bayern gibt es einen elften Coronavirus-Fall. Auch bei der Ehefrau eines der infizierten Mitarbeiter des Autozulieferers Webasto sei das Virus festgestellt worden, teilt das bayerische Gesundheitsministerium mit.

In der Familie aus Siegsdorf im Landkreis Traunstein haben sich auch zwei Kinder beim Vater angesteckt. Die Frau ist zusammen mit ihren Kindern in einem Krankenhaus untergebracht. Alle seien symptomfrei, der Zustand des Vaters sei stabil, so das Gesundheitsministerium.

Deutschlandweit gibt es nun 13 Menschen, die sich mit dem Erreger infiziert haben. Bei zwei von ihnen wurde das Virus nachgewiesen, nachdem sie am vergangenen Wochenende mit einem Flugzeug aus China nach Deutschland geholt worden waren. Sieben Fälle stehen – wie auch die betroffene Familie – in Zusammenhang mit dem bayerischen Autozulieferer Webasto in Stockdorf bei München. Dort war eine chinesische Mitarbeiterin zu Gast gewesen, deren Infektion erst nach ihrer Rückkehr nach China nachgewiesen wurde.

Zudem wurde bekannt, dass der deutsche Coronavirus-Patient auf der spanischen Insel La Gomera ebenfalls aus Bayern stammt. Er habe Kontakt mit einem Mitarbeiter der Firma Webasto gehabt, teilte das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) mit. Der 26-Jährige sei derzeit isoliert, hieß es.
Tina Groll
Auf einem Kreuzfahrtschiff vor der japanischen Küste gab es zehn weitere Infizierte. Auf dem Schiff vor Yokohama sind vier Personen aus Japan, zwei aus den Vereinigten Staaten, zwei aus Kanada sowie jeweils ein Mensch aus Neuseeland und Taiwan erkrankt. Die meisten sind zwischen 60 und 80 Jahre alt. Sie wurden in nahe gelegene Krankenhäuser gebracht. Auf dem Schiff befinden sich knapp 3.700 Menschen, davon mehr als 2.600 Reisende und mehr als 1.000 Crewmitglieder.

Auch vor Hongkong stehen Tausende Reisende eines Kreuzfahrtschiffes unter Quarantäne. 3.600 Menschen an Bord wurden untersucht, nachdem drei Passagiere einer vorherigen Reise positiv getestet worden waren.

In Hongkong gibt es 21 registrierte Infektionen. Die Regierung von Carrie Lam weigert sich bisher, die zwei verbliebenen Grenzübergänge zu Festlandchina schließen. Am Mittwoch hatte sie angekündigt, alle Einreisenden ab Samstag für zwei Wochen unter Quarantäne zu stellen.

Eine Gewerkschaft drohte in Hongkong mit einer Massenkündigung medizinischen Personals. Die Vereinigung von Krankenhausmitarbeiterinnen und -mitarbeitern warnte, 20.000 ihrer Mitglieder könnten kündigen, wenn die Krankenhausbehörde der halb autonomen Sonderverwaltungszone sich inmitten von Protesten weigere, einen Dialog über ihre Forderungen zu halten. Tausende streiken seit Montag und fordern aus Sorge vor einer weiteren Ausbreitung des Virus, dass die Hongkonger Behörden die Grenze zu Festlandchina komplett schließen. Außerdem wollen sie sichere Arbeitsbedingung inklusive ausreichend Schutzausrüstung.
Tina Groll
Die chinesische Regierung sichert der Bevölkerung eine ausreichende Versorgung mit Strom und Brennstoffen zu. Die Energiebranche werde zur Produktion von Elektrizität, Öl und Kohle in voller Kapazität aufgefordert, berichtet das staatliche Fernsehen unter Berufung auf eine Krisensitzung der Pekinger Führung.

Zudem erwägt die Führung, die jährliche Parlamentssitzung zu verschieben. Man prüfe angesichts der Verbreitung des Coronavirus mehrere Optionen, hieß es von der Regierung.

Der Nationale Volkskongress mit seinen rund 3.000 Delegierten kommt üblicherweise für mindestens zehn Tage in Peking zusammen, um Gesetze zu verabschieden. Dabei werden auch wichtige wirtschaftliche Ziele für das gesamte Jahr bekannt gegeben. Der Beginn der Sitzung ist für den 5. März geplant.
Tina Groll
In China ist die Zahl der Toten und Infizierten weiter gestiegen. Laut offiziellen Angaben sind am Mittwoch 73 Menschen infolge der Infektion gestorben, die offizielle Zahl der Toten stieg damit auf 563. Die Zahl der registrierte Infektionen stieg um fast 3.700 mehr als am Vortag.

Mittlerweile sind weltweit mehr als 28.200 Infizierte mit dem zuerst in China entdeckten neuen Coronavirus gemeldet worden. Die allermeisten Erkrankten und Toten gibt es in China, hier sind es nach offiziellen Angaben 28.018 Infektionsfälle und 563 Tote allein in China-Festland. Dazu kommen 22 Infektionsfälle (darunter auch ein Toter) in Hongkong sowie 10 bestätigte Infektionen in Macao. Von den 563 Todesfällen im Kernland ereigneten sich die meisten in der Provinz Hubei. Einen Todesfall gab es außerdem auf den Philippinen.

In Japan gab es bisher 45 Infektionen, in Singapur 25, in Südkorea 23, in Australien und Malaysia 14, in Deutschland und Taiwan je 13, in den USA und Vietnam jeweils 12, in Frankreich 6, in den Vereinigten Arabischen Emiraten 5, in Kanada 4, in Indien, Großbritannien und den Philippinen 3 (darunter der erwähnte Tote9, in Russland und Italien jeweils 2, in Belgien, Nepal, Schweden, Kambodscha, Finnland und Sri Lanka jeweils eine Infektion.

China kündigte an, eine erste Gruppe von Patienten solle ein neues Medikament nehmen, das gegen das Virus helfen soll. Der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge sei das Mittel mit dem Namen Remdesivir bei klinischen Versuchen genehmigt worden. Es habe gute Ergebnisse bei anderen Coronaviren wie Sars oder Mers und zumindest auf Zellebene auch bei dem 2019-nCov genannten neuen Virus gezeigt. 761 Erkrankte nähmen an den Tests teil. Der Aktienkurs des US-amerikanischen Herstellers Gilead Sciences schnellte nach der Mitteilung nach oben.

Damit starten wir das Blog an diesem Tag. Einen Rückblick auf die letzten Tage gib es hier.