Leser beschweren sich häufiger beim Deutschen Presserat über Medienberichte. Im Jahr 2019 gab es insgesamt 2.175 Beschwerden und damit 137 mehr als im Vorjahr, wie das Gremium mitteilte. Seit 2017 steigt die Zahl stetig an. Der Deutsche Presserat ist eine freiwillige Selbstkontrolle der Presse.   

Der designierte Sprecher des Gremiums, Johannes Endres, erklärte das erhöhte Beschwerdeaufkommen im Pressebericht damit, dass sich "Leserinnen und Leser Medien als vertrauenswürdige Quellen wünschen". Nahezu jede dritte Beschwerde habe sich 2019 gegen mögliche Verstöße gegen die Sorgfalt bei der Recherche und der Darstellung von Sachverhalten gerichtet. "Hier reagieren Leser offensichtlich besonders empfindlich – oft sogar überempfindlich, wie der hohe Anteil unbegründeter Beschwerden in diesem Bereich zeigt", sagte Endres.

Wenn man die Jahre seit 2013 betrachtet, so ist die Beschwerdezahl 2019 die zweithöchste nach 2015, als es 2.358 Beschwerden gab. Das hohe Aufkommen in dem Jahr führt der Presserat auch auf den Germanwings-Absturz zurück.

Mit den Beschwerden beschäftigen sich Ausschüsse des Presserats. Grundlage für die Beurteilung ist der Pressekodex, in dem Richtlinien für die Berichterstattung stehen. Die härteste Sanktion, die es gibt, ist eine Rüge. Deren Zahl stieg 2019 auf 34. 2018 waren es 28 Rügen und 2017 noch 21. Der Grund für die meisten Rügen (14) war laut Presserat eine mangelnde Trennung von redaktionellen und werblichen Inhalten.

Verstöße gegen den Opferschutz

Als Beispiele für die Beschwerden verweist der Jahresbericht (PDF) etwa auf Zeitungen, die auf Titelseiten redaktionell gestaltete Anzeigen für eine neue TV-Serie veröffentlicht hätten. "Die Werbung war nicht eindeutig erkennbar, da sie sehr stark an das redaktionelle Layout angelehnt war." Oder: In einer Zeitschrift sprachen Menschen über ihr persönliches Glück, nachdem sie bei einer bestimmten Lotterie Millionen gewonnen hatten. Das überschritt nach Ansicht des Presserates die Grenze zur Schleichwerbung.

Bei den Rügen kamen häufiger auch Verstöße gegen den Opferschutz vor. So seien etwa Fotos von Unfall- oder Verbrechensopfern ohne Einwilligung aus Facebook- oder Instagram-Seiten verwendet worden, heißt es in dem Bericht.

Obwohl beim Presserat mehr Beschwerden eingingen, behandelten die Ausschüsse weniger Fälle. Grund: In der Vorprüfung wurden viele Fälle abgelehnt, weil kein Anhaltspunkt darauf hindeutete, dass eine Redaktion unsauber gearbeitet habe, hieß es weiter. Als Beispiele wurden Karikaturen oder Meinungsbeiträge genannt.

Die meisten Beschwerden aus dem Jahr 2019 richteten sich gegen regionale Tageszeitungen, gefolgt von Boulevardzeitungen und überregionalen Tageszeitungen.