"Nach vorn schauen. Das ist es!", sagt Helga Beimer, frisch entlassen aus der Klinik, sie lag in der letzten Folge noch im Koma, während sie nun mit ihrer tunesischen Schwiegertochter Neyla, oben bei Alex und Iris in deren Wohnung, Wäsche zusammenfaltet. Im Radio verkünden sie gerade den Ausbruch des Coronavirus und melden, dass Seehofer ein Neonazinetzwerk hochnimmt, Neyla und Helga hören aber nicht hin. Unten bei Klaus Beimer wird gerade renoviert, Iris ist den ganzen Tag in der Praxis, sie arbeitet wieder, vor ein paar Wochen hatte sie einen Gehörschaden. Murat sitzt jetzt schon den achten Tag in Folge unten auf der Straße, er hat sich an die Linde gekettet, weil Wolf Lohmeier, der Millionär, das miese Kapitalistenschwein, ihn gentrifizieren will, damit Anna, Wolfs Geliebte und Putzfrau, ihre Pralinen dort verkaufen kann, wo Murats Shisha-Bar ist.

Seit Murat eine gelbe Mütze trägt, sich nicht mehr rasiert und freies Internet anbietet, also ein Hipster ist, läuft die Shisha-Bar wieder besser, denn sein Rezept lautete immer schon kämpfen und: "Nach vorn schauen." Wenn was nicht passt, ballt Murat die Fäuste zusammen, sagt: "oğlum!", also: "Junge!", er sagt es auch zu seiner Tochter Deniz und zu seinem schwulen Sohn Paul, den aber nicht er zeugte, sondern der Schweizer Alex, dem die Wohnung gehört, wo Helga gerade die Wäsche faltet.

"Nach vorn schauen", sagt sich leicht, wenn man wie Nina Polizistin ist und die Kollegen von der Polizeiwache sich gerade dem "Unionsbund" anschließen, einem rechtsextremen Netzwerk, so wie es Nina sowieso immer besonders schwer traf. Sie hatte auf Tinder Johannes kennengelernt, mit ihm eine schöne Nacht verbracht und dann festgestellt, dass dieser eigentlich auf der Straße lebt, weil er ein Penner ist. Jetzt hat sie ihn von der Straße runtergebracht, ein Kind von ihm bekommen und sich aber wieder in Klaus, ihren ersten Ehemann, verliebt, der übrigens in bemerkenswerter Weise sein Gewicht hält, das er viele Folgen lang durch Joggen und Boxen runterbekommen hatte. Er war schon ziemlich rund und es war eine der sinnlichsten Liebesszenen, als er mit der ebenfalls sehr runden Iffigenie eine Nachmittagsliebe erlebte, ewig her, Iffi ist jetzt Spießerin und politisch immer etwas konservativ, aber sie trägt diese sehr schönen bunten Kimonos. Auch Konstantin ist tapfer, Iffis erwachsener Stiefsohn, er hatte den Blutkrebs, die Chemo und seinen sächsischen Prepper-Papa Roland einigermaßen überlebt, nun steht er neuerdings auf junge vorpubertäre Mädchen. 

"Ach, mein Hase!"

Er war selbst sehr überrascht von seiner Neigung und hält seitdem Abstand von der elfenhaften Schülerin Mila, deren Mutter Nastya eine moldawische Zwangsprostituierte war, die Mila zeugte, indem sie Klaus vergewaltigte. Mein Gott, was litt Klausi Beimer, weil niemand glaubte, was ihm widerfahren war, zumal Nastya seine Ehefrau war – und wo gibt es denn so was, dass einen die Ehefrau in gewagten Lackklamotten ans Bett bindet und vergewaltigt, Nastya war schwer traumatisiert, zu der Zeit war sie längst ihrem Zuhälter entkommen, führte ein bürgerliches Leben, aber leider gefangen in einer religiösen Sekte. Am Ende war es Helga Beimer, seine "Mum", der Klausi sich anvertraute, die ihm glaubte ("Ach, mein Hase!") und die mit ihm den schweren Weg zur Polizei ging. Und natürlich hielt auch sein ehemaliger Mitbewohner Phillip zu ihm, der selbst Gewalterfahrungen hatte, seine Ehefrau schlug ihn grün und blau, aber er hatte großes Verständnis für sie, sie stand beruflich immer so unter Druck.

Helga Beimer hatte die meisten Verluste in der Lindenstraße, Hans und Erich, ihre beiden Ehemänner, sind tot, einer ermordet (vom Nachbarn) und der andere klappte beim Wandern zusammen, kaputt vom Parkinson und zugedröhnt, das Cannabis baute ihm Anna, seine Frau, auf dem Dachboden an und bedealte mit dem Stoff  sämtliche Patienten aus der Parkinson-Selbsthilfegruppe – zum Selbstkostenpreis. Über Bennys Tod im Bus auf der Fahrt zu ihrer Hochzeit kam Helga genauso wenig hinweg wie Gaby Zenker über den Verlust ihres gekidnappten und von der Polizei zu spät gefundenen Sohns Max – Moment, das müsste vor zehn Jahren gewesen sein. Ach Quatsch, mindestens zwanzig Jahre ist es her, Benny starb 1995 und Max viel später. Dafür kommt Gaby mit ihrer Taubheit sehr gut klar. 

In den vergangenen Jahren, man freute sich sehr für sie, hatte sie immer weniger "Waaas?" gesagt, das Gerät in ihrem Ohr funktioniert wirklich prima. Ebenfalls tot, Ludwig Dressler, der über der Praxis von Dr. Iris Brooks wohnte und dem die Lindenstraße 3 gehört, also gehörte, das Objekt ist nun in Angelinas Hand, die er adoptierte, weil er immer so einsam war. Ausgerechnet in der Nacht, in der er sich das Leben nahm, weil er einen Hirntumor hatte, war seine Angelina nicht bei ihm, sondern Jack assistierte ihm, die unten rechts wohnt, wo früher der Hausdrache Else Kling wohnte, das Kruzifix über der Haustür haben die Bewohner der Lindenstraße nie abgehängt.