Auch wir ansonsten robusten Lederseelen aus dem Feuilleton reden allmählich von der Pandemie, als sei diese ein eigenes fades Erdzeitalter wie zum Beispiel das Pleistozän, wo uns jedoch allein Zauberwörter wie "Biberkaltzeit" oder "Prä-Günz-Glazial" mehr Abenteuer und Tanzgelegenheiten für die Jugend geboten hätten als heute erhältlich sind. Auch deshalb entfahren uns die lautesten Seufzer seit Beginn der Seufzeraufzeichnung, wenn wir uns zu Hause an der Luft wundstoßen, wovon im Übrigen ungefähr 78 Prozent des deutschen Gegenwartsfilms handelt, wenn wir ihn recht in Erinnerung haben, so genau können wir das nicht sagen, da wir meistens einschlafen und nur irgendwann kurz hochschrecken, weil eine betrogene Unternehmersgattin den Innenraum ihres Mittelklassewagens anschreit, und das ist wohl auf beiden Seiten des Bildschirms der Sozialrealismus, für den sich der deutsche Film im Allgemeinen zuständig fühlt, oft ziemlich trist, oft auch überhaupt nicht lustig.
Und jetzt sind wir an der Stelle, an der jemand humorpatriotisch "Aber Toni Erdmann!" rufen müsste und das war doch bestimmt dieser Film mit Jan Josef Liefers, wir schauen aber zur Sicherheit in der Suchmaschine Twitter nach, wo wir Liefers stattdessen auf einer Website namens allesdichtmachen.de entdecken, unter verschiedenen Videos aus der A-Klasse des deutschen Schauspiels, und in seinem Clip bedankt sich Liefers bei den Medien und den wenigen Spezialisten während dieser Pandemie, und seine Augen sagen "herrlich bissige Satire" wie diese Typen, die immer mit Weizenbierglas und eindeutig zu farbenfroher Kleidung durch Foyers von Stadtteiltheatern schwanken.
Wobei es sein kann, dass wir Liefers jetzt gerade mit Kostja Ullmann verwechseln, den wir eventuell aus Filmen wie Leuchtturm der Leidenschaft 1 bis 4 kennen oder auch nicht. Wir kommen wirklich durcheinander bei so vielen subversiven Sätzen und subventionierten Gesichtsausdrücken, und Satire darf ja alles, auch gucken wie Volker Bruch, als würde Graf Stauffenberg gerade persönlich seine Aktentasche hinstellen und sagen: "Deshalb appelliere ich an die Regierung, macht uns noch mehr Angst."
Und in den Videos werden die schönen Altbauwohnungen sofort noch hellhöriger und in ihrer macht Heike Makatsch schon gar nicht mehr die Tür auf, selbst dem Pizzaboten nicht, und da singen wir spontan hungrig "don't walk away, don't walk away, Lieferando", aber wir, das ahnen wir allmählich, sind ja bloß arglose und scheinheilige Pandemieuntertanen, da muss uns "Mein Name ist Nadja Uhl" mal aufrütteln, sie lese jeden Abend ihren Kindern ihre neue Lieblingsgeschichte vor, nämlich Des Kaisers neue Kleider. Da wird es tiefgründig und abgründig, und dann ist im deutschen Film auch Ulrich Tukur nicht weit, den kennen wir, weil er Kultur noch so wie wir in Sütterlin schreibt, und jetzt kommt also Ulrich Tukur und sagt "Der Tod ist groß. Wir sind die Seinen" undsoweiter und wir sind froh, dass er zu diesem Anlass bloß Rilke für Gestresste im Regal gefunden hat und nicht den gesamten Gottfried Benn und diese Erleichterung trägt uns über einen sicher tiefgründigen und abgründigen Beitrag hinweg zum Gedanken, dass man Comedy-Autoren in diesem Land wirklich besser bezahlen sollte, sonst müssen die bald aufstocken und Heike Makatsch fürderhin auch vergeblich Pizza vor die Tür stellen, Moment, die hat dann doch schnell die Tür aufgemacht, ihr Beitrag ist verschwunden, da steht endlich einmal jemand zu etwas, dann aber wirklich nur ganz kurz, und die anderen auf der Website sind ja noch da, Meret Becker, Wotan Wilke Möhring oder Ulrike Folkerts, und unsere eigenen Namen haben wir schon vergessen, wir wissen nicht einmal mehr, ob wir nicht in Wahrheit selbst deutsche Schauspielerinnen sind, die sich von den Medien, Virologen und Politikern hinters Licht geführt fühlen. Wir wissen nur, dass wir jetzt dringend bald mit Til Schweiger über viktorianische Architektur reden wollen, damit einfach mal wieder ein Experte zu Wort kommt.
Auch wir ansonsten robusten Lederseelen aus dem Feuilleton reden allmählich von der Pandemie, als sei diese ein eigenes fades Erdzeitalter wie zum Beispiel das Pleistozän, wo uns jedoch allein Zauberwörter wie "Biberkaltzeit" oder "Prä-Günz-Glazial" mehr Abenteuer und Tanzgelegenheiten für die Jugend geboten hätten als heute erhältlich sind. Auch deshalb entfahren uns die lautesten Seufzer seit Beginn der Seufzeraufzeichnung, wenn wir uns zu Hause an der Luft wundstoßen, wovon im Übrigen ungefähr 78 Prozent des deutschen Gegenwartsfilms handelt, wenn wir ihn recht in Erinnerung haben, so genau können wir das nicht sagen, da wir meistens einschlafen und nur irgendwann kurz hochschrecken, weil eine betrogene Unternehmersgattin den Innenraum ihres Mittelklassewagens anschreit, und das ist wohl auf beiden Seiten des Bildschirms der Sozialrealismus, für den sich der deutsche Film im Allgemeinen zuständig fühlt, oft ziemlich trist, oft auch überhaupt nicht lustig.