Der britische öffentliche Sender BBC bangt um seine Zukunft. Die britische Regierung plant, die Finanzierung der BBC für zwei Jahre einzufrieren und langfristig das Modell der Gebührenfinanzierung abzuschaffen. Das teilte laut mehreren britischen Medien wie The Guardian die britische Kulturministerin Nadine Dorries am Wochenende in einem Schreiben mit.
Das bisherige Gebührenmodell werde demnach im Jahr 2027 auslaufen. In den kommenden zwei Jahren sollen die Zuschauer, um die Programme der BBC zu empfangen, zwar noch wie bislang jährlich 159 Pfund (etwa 190 Euro) bezahlen, in den drei darauffolgenden Jahren etwas mehr, doch danach sei "Schluss". Die aktuelle Gebührenankündigung sei die letzte ihrer Art. Es sei Zeit, neue Finanzierungsmodelle zu finden.
Die Ankündigung bringt den Sender in große finanzielle Bedrängnis. Die BBC und andere Kritiker der Maßnahme fürchten Einschnitte bei der hohen Qualität des Programms und der Produktionen, einen großen Personalabbau sowie das Schließen bestimmter Sender, meist wohl im Rundfunkbereich. Dennoch kommt eine Aussage Dorries nicht überraschend, wie sie laut Vertrauten in The Daily Mail zitiert wird: "Für die BBC ist es vorbei, solange ich in diesem Job bin". Seit 2010 haben konservative Regierungen in England immer wieder das bisherige Finanzierungsmodell des Öffentlichen Senders diskutiert. Künftig soll sich die BBC – nach dem Vorbild von Netflix oder YouTube – durch Abo-Modelle und eine Teilprivatisierung finanzieren.
Britische Kommentatoren sehen in der Ankündigung eine Maßnahme, die dem Regierungschef Boris Johnson in seiner aktuellen Glaubwürdigkeitskrise mehr Zustimmung verschaffen soll. Außerdem wird befürchtet, dass die BBC angesichts der bevorstehenden Verhandlungen über neue Finanzierungsmodelle nicht mehr unabhängig und kritisch über die aktuelle konservative Regierung berichten kann und wird.