Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) hat sich von den letzten beiden Mitgliedern der umstrittenen Geschäftsleitung um die fristlos entlassene Intendantin Patricia Schlesinger getrennt. Das geht aus einer Mitteilung an die Sendermitarbeiter hervor, die der Nachrichtenagentur dpa vorlag. Darin schrieb der öffentlich-rechtliche ARD-Sender, man habe offiziell die Trennung von Hagen Brandstäter als Verwaltungsdirektor und Christoph Augenstein als Produktions- und Betriebsdirektor vollzogen.
"Das ist eine Zäsur und wird uns beim Neuanfang im rbb
helfen", sagte Interimsintendantin Katrin Vernau. Details der Trennung wurden dort nicht genannt.
Vorwürfe der Vetternwirtschaft und umstrittene Beraterverträge hatten den rbb im Sommer in eine tiefe Krise gestürzt. Im Zentrum der Affäre
stehen Schlesinger und der zurückgetretene Verwaltungsratschef
Wolf-Dieter Wolf. Beide wiesen die Filzvorwürfe zurück. Die
Generalstaatsanwaltschaft Berlin ermittelt gegen beide, Schlesingers
Ehemann sowie gegen den Verwaltungsdirektor und die juristische
Direktorin. Bis zum Abschluss der Ermittlungen gilt die
Unschuldsvermutung.
Juristische Direktorin wehrt sich vor dem Arbeitsgericht
Die Geschäftsleitung um Schlesinger geriet in der Affäre zunehmend in die Kritik – unter anderem wegen Boni, die an Führungskräfte ausgezahlt und nicht offengelegt worden waren. Jüngst hatte der rbb bekannt gemacht, dass Direktoren zudem eine Zulage rund um den ARD-Vorsitz, den der rbb seit dem 1. Januar 2022 bis zum Sommer innehatte, bekommen haben sollen.
Kürzlich hatte der Programmdirektor, Jan Schulte-Kellinghaus, den Sender nach einer einvernehmlichen Lösung verlassen. Die juristische Direktorin war wiederum abberufen worden. Sie wehrt sich vor einem Arbeitsgericht gegen die außerordentliche Kündigung, eine Entscheidung gibt es noch nicht.
Der Verwaltungsdirektor war bereits vor mehreren Monaten krankgeschrieben worden und nicht mehr im aktuellen Tagesgeschäft tätig. Intendantin Vernau hatte in der Zwischenzeit klargemacht, dass sein eigentlich noch bis Ende April laufender Vertrag vorzeitig enden solle.