Im Grunde ist Rammsteins Lied Angst ziemlich austauschbar gegen viele andere Songs aus dem Repertoire der Band. Ein bedrohlicher Sound schwillt an, verzerrte Gitarren rauschen rein, dazu ein Text aus den Untiefen zwischen Halbschlaf und Albtraum. Doch ein Detail ist an diesem Abend im Berliner Olympiastadion anders: Till Lindemann, der Sänger der Band, variierte eine Textzeile. "Alle haben Angst vorm schwarzen Mann", heißt es eigentlich. "Alle haben Angst vor Lindemann", singt er nun grollend.
Es ist nur ein Satz, auf früheren Konzerten hätte man ihn für ein Spiel gehalten, aber die Zeiten scheinen vorbei. Heute ist seine Selbstironie ein Statement. Wer nun tatsächlich Angst vor Lindemann hat, wer wütend auf den wohl größten Rockstar Deutschlands und wer ihm nach wie vor treu ergeben ist, das kann man sich in den Stunden vor der Feuershow in Berlin anschauen. Was hier verhandelt wird, ist längst nicht mehr bloß eine Frage von Ästhetik und Unterhaltung, oder eine nach der berühmten Trennung von Kunstwerk und Künstler. Es geht um Mehrheiten, Minderheiten und darum, wie sie miteinander umgehen.