Die vergangenen sechs Wochen US-Wahlkampf waren keine Netflixserie, sie waren auch kein exotischer Vorgang in einem fernen Land mit merkwürdiger politischer Kultur. Doch, man kann aus den US-amerikanischen Plot-Twists vieles, vielleicht Entscheidendes für die Lage in Europa, vor allem in Deutschland lernen. Denn während noch vor wenigen Wochen die politische Gestimmtheit von Joe Biden und Olaf Scholz fast gleich war, so hat sich mit Kamala Harris dort eine atemberaubende und gedankengebende Wende vollzogen – während Deutschland nunmehr die taktisch verlorenste, verzagteste und am schlechtesten gelaunte Regierung der gesamten westlichen Hemisphäre aufweist. Grund genug, genauer über den Atlantik zu gucken. Und ja, für alle Freunde des wohlfeilen und faulen Warnens: Kamala Harris könnte immer noch spektakulär ihr Momentum verlieren, was der Ampel wiederum nicht passieren kann. Denn dafür bräuchte es ja erst einmal: ein Momentum.