"Was brauch' ich gute Gäste, wenn ich so viele gute Freunde habe." So lautet das selbstbewusste Credo des Wirtes in Helmut Dietls Film Rossini. Gut zwölf Jahre später kommt wieder ein deutscher Restaurantfilm in die Kinos, der ein tatsächlich existierendes Lokal zum Vorbild hat. Doch Soul Kitchen liegt nicht auf der nächtlichen Route gutbetuchter Pistengänger, sondern in dem ehemaligen Hamburger Arbeiterviertel Altona. Und die Hauptfigur Adam Bousdoukos hat im Gegensatz zu Mario Adorf, dem Film-Wirt des Rossini, zehn Jahre lang die Spezial-Platte samt Gratis-Ouzo höchstpersönlich an den Tisch gebracht.

"In der Gastro-Welt ist so viel im Spiel", erzählt Bousdoukos auf der Ledercouch im Büro seines besten Freundes Fatih Akin, mit dem er zusammen das Drehbuch zu dem Film geschrieben hat. "Da gibt es unterschiedlichste Menschen, Alkohol, Musik, Freundschaft, erotische Begegnungen und Partys – da brodelt und kocht es." Eigentlich ist er hundemüde, bis zum Kinostart tourt er von Preview zu Preview, zwei Städte pro Tag. Aber wenn er mit seinem Hamburger Reibeisen-Slang die Sätze erst einmal ins Rollen gebracht hat, brodelt es auch in ihm. "Wir haben fünf Jahre an dem Drehbuch gearbeitet. Zum Schluss gab es dreizehn Fassungen. Wir packen immer alles mit rein. Schon das Filmplakat ist so bunt, dass du nicht weißt, wo du zuerst hingucken sollst."

Eigentlich wollte Fatih Akin Soul Kitchen gleich im Anschluss an sein Drama Gegen die Wand drehen. Als "kleinen Dogma-Film", wie er sagt. Nach dem großen Erfolg spürte er allerdings den Druck, einen großen Film nachlegen zu müssen. Das Projekt mit dem Kumpel wurde erstmal auf Eis gelegt. "Es kamen immer wieder Leute in den Laden, die mich gefragt haben: 'Eh, wann drehst du den nächsten Film?'", sagt sich Bousdoukos. "Aber ich wusste, dass sich die Geduld auszahlt."

Hinter seiner temperamentvollen Art verbirgt sich eine Gelassenheit, die auf einer liebevollen Kindheit beruht. "Viele, viele Griechen lebten da, die aufgepasst haben, während meine Eltern in der Fabrik arbeiteten." Die Alten sprachen auf der Straße über Politik und Fußball, die Jungs spielten "Die drei Musketiere".

Mit vier Jahren schleppten seine Brüder Adam Bousdoukos zum ersten Mal ins Kino, wo er nach wenigen Minuten einen Weinkrampf bekam. "Danach wollte ich Schauspieler, Clown, Tänzer oder Musiker werden." Für diesen Traum fand er auf dem Gymnasium in der Parallelklasse den kongenialen Partner. "Fatih und ich waren beide die Klassenclowns und haben früh gemerkt, dass wir ähnliche Roots, Träume und Sehnsüchte haben."

Nach ersten Kurzfilmen mit der schuleigenen Kamera landeten die beiden mit Kurz und schmerzlos den ersten Überraschungserfolg im Kino. Das war gleich nach dem Abitur. Dass Bousdoukos sich für den Film seines Freundes auf Verlangen der Produktionsfirma casten lassen musste wie jeder andere, stellte die Freundschaft auf eine Bewährungsprobe. "Aber ich habe von vornherein gesagt, dass wir Freunde bleiben, auch wenn es nicht klappt."

Es klappte. Die Riesengage gab es zwar nicht für Bousdoukos, aber immerhin so viel Ruhm, dass der Besitzer der Taverna Sotiris, in der er damals jobbte, ihn für kreditwürdig hielt und ihm das Lokal zum Kauf anbot. Da saß er die nächsten zehn Jahre fast jeden Abend am Tisch rechts neben der Tür, empfing seine Gäste wie Freunde und machte den Laden zu einem Szenetreff, in dem fast jeder Musiker Altonas früher oder später auftrat.