Mit einer schwarzen Limousine in ihrer Mitte rauscht die Militäreskorte eine sonnige, blumengeschmückte Straße entlang. Zwei Junta-Generäle entsteigen mit zusammengepressten Lippen dem Auto, ein Aufmarsch Soldaten salutiert brüllend.

"Das ist mein Land", kommentiert der burmesische Reporter Joshua lakonisch die Anfangssequenz des Dokumentarfilms Burma VJ. Die Generäle werden erst am Ende des Films wieder auftauchen, doch der Zuschauer spürt gleich den atmosphärischen Rahmen der Dokumentation: Das buddhistische Birma ist eine Militärdiktatur, seit über 40 Jahren regiert von einer rücksichtslosen Junta.

Nicht immer waren die Generäle in der Lage, das unterdrückte Volk ruhig zu halten. Zuletzt kam es im Spätsommer 2007 zu einem großen Mönchsaufstand in der Stadt Rangun. Burma VJ ist eine Rekonstruktion dieses Aufstands, eine eindrucksvolle Montage aus unzähligen Videofragmenten jener dramatischen Tage. Das Werk des dänischen Filmemachers Anders Østergard wurde verdient für einen Oscar nominiert. Arte sendet es am Dienstagabend.

Die Videos zum Film stammen von einem birmesischen Reporternetzwerk, deren Mini-Beiträge von der in Oslo ansässigen Oppositionsorganisation Democratic Voice of Burma (DVB) koordiniert, bearbeitet und internationalen Medien zur Verfügung gestellt werden. Ziel von DVB ist es auch, dass die Beiträge in Birma selbst zu sehen sind, beispielsweise über Satellit und über das Internet.

Die Videoreporter im Land müssen heimlich arbeiten. Um zu ahnen, wie gefährlich ihr Job ist, muss man sich gewahr sein, dass Birmas Junta den ganzen Staat durchsetzt hat, alle wichtigen Stellen sind mit ihren Leuten belegt. Die Geheimdienste arbeiten nach dem Willen der Generäle, und sie haben das Land nach außen rigoros abgeschottet. Deshalb bleiben die Videojournalisten im Film auch unerkannt, genauso wie der Hauptprotagonist Joshua, ein nach Thailand geflüchteter Reporter, der stellvertretend die Geschichte des Aufstands erzählt und kommentiert. "Wenn man mich mit der Kamera erwischt, werde ich eingesperrt. Und wenn jemand mit uns spricht, auch. Unsere Geschichten sind stumm", beschreibt Joshua die Situation.

Weil die Videoreporter heimlich drehen mussten, ist vieles auf Hüfthöhe gefilmt, aus Taschen heraus oder versteckt aus Häusern und Gebüschen. Daraus entsteht eine Dramatik, die den Zuschauer sehr nah an die reale Szenerie heranführt. Ständig fürchtet man die Enttarnung der Undercover-Filmer. Fehlende Erzählstränge des Auftstands hat Anders Østergard nachstellen lassen und durch Telefongespräche mit Joshua und anderen Beteiligten so realitätsnah wie möglich rekonstruiert. Das Ergebnis ist ein Film wie aus einem Guss.

Der eigentliche Zeitraum des Geschehens beginnt Mitte August 2007 mit dem ersten Rumoren in Rangun über extreme Benzinpreiserhöhungen und endet in den letzten Septembertagen mit der gespenstischen Ruhe nach der brutalen Niederschlagung der Proteste. Ein starkes Moment der Dokumentation ist, wie plötzlich die ruhigen und ernsthaften Mönche in den Protest einsteigen.