Aus dem Nichts katapultierte sich der Franzose Tahar Rahim mit seiner Hauptrolle in dem Gefängnis-Film Ein Prophet in das Bewusstsein der Branche. In dem am Sonnabend in Cannes mit dem César ausgezeichneten Werk von dem Regisseur Jacques Audiard spielt der 28-Jährige einen jungen Mann, der während einer Haftstrafe von einem korsischen Mafiaboss erpresst wird und lernen muss, sich in der brutalen Hierarchie der Knastanstalt zurechtzufinden.

ZEIT ONLINE: Sie liefern in Ein Prophet eine sensationelle schauspielerische Leistung. Wie kommt es, dass man bislang noch nichts von Ihnen gehört und gesehen hat? Haben Sie sich versteckt?

Tahar Rahim: Ich stamme aus Belfort, das ist eine kleine Stadt im Osten Frankreichs. Filme haben mich schon fast immer fasziniert, daher habe ich das Fach in Montpellier studiert. Danach habe ich mit einem Freund einen Dokumentarfilm gedreht und bin anschließend nach Paris gegangen, um Theater zu studieren. Dort wurde ich dann für die Fernsehserie La commune engagiert und bekam die Hauptrolle in dem Theaterstück Libres sont les papillons. International hat das alles nicht für Aufsehen gesorgt, aber versteckt habe ich mich auch nicht.

ZEIT ONLINE: Wie bekamen Sie die Rolle in Ein Prophet?

Rahim: Es ging alles sehr schnell. Jacques Audiard hat zwar sehr viele Probeaufnahmen mit mir gemacht. Aber gleich danach begannen wir zu drehen.

ZEIT ONLINE: Haben Sie zur Vorbereitung echte Gefängnisse besucht oder sich mit Insassen unterhalten?

Rahim: Nein. Weder noch. Meine Figur wird ja zum ersten Mal inhaftiert, deshalb wäre es eher ein Nachteil gewesen, wenn ich zu viel über das Leben im Knast gewusst hätte. Ich wollte genauso unerfahren an das Ganze herangehen wie meine Rolle.

ZEIT ONLINE: Wie sind Sie dann an diesen intensiven Part herangegangen?

Rahim: Ich habe viel Recherche betrieben und einige Bücher über Gefängnisse gelesen. Ich hatte auch mehrere Diskussionen mit Jacques und es gab unzählige Proben. Wir beschäftigten uns damit, wie die Figur agiert, wie sie sich in ihrer neuen Umgebung bewegt und wie sie gegen die Langeweile ankämpft. Das alles hat mir sehr dabei geholfen, den Charakter zu formen. Ich habe sogar eine ganze Nacht in der Zelle am Set geschlafen, um zu sehen, wie sich das anfühlt.

ZEIT ONLINE: Und?

Rahim: Ich will ehrlich sein: Obwohl es bestimmt nicht annähernd so grausam war, wie in einem echten Gefängnis, hat es sich schrecklich angefühlt. Wenn man mitten in der Nacht die Augen öffnet, bekommt man regelrecht einen Schock.