Und wieder ein Chanel-Film. Erst im letzten Jahr rauschte Audrey Tautou als Coco Chanel – Der Beginn einer Leidenschaft über die Leinwand. Anne Fontaines Film zeigte die Entwicklung von der schlecht bezahlten Näherin zur Mode-Ikone.

Auch in Coco & Igor geht es um Leidenschaft, allerdings um die rein fleischliche. Der französische Regisseur Jan Kounen, der zuletzt durch die Romanadaption 39,90 auffiel, konzentriert sich darin auf die kurze, aber heftige Affäre zwischen der Modeschöpferin und dem russischen Komponisten Igor Strawinsky.

Die beiden lernen sich 1913 kennen, Strawinsky steht noch am Anfang seiner Karriere. Die Pariser Premiere seines Stücks Le sacre du printemps – das später Musikgeschichte schreiben wird – gerät zum absoluten Misserfolg, der Komponist wird ausgebuht, Zuschauer verlassen das Theater. Chanel ist eine der wenigen, die sein Talent von Anfang an erkennt. Sie ist angetan von dem Tumult, den Strawinsky auslöst. Denn auch sie stieß mit ihrer Mode zunächst auf Empörung. Eine Tatsache, die Chanel und Strawinsky miteinander verbinden wird.

Sieben Jahre später sehen sich die beiden wieder. Chanel, inzwischen eine erfolgreiche und wohlhabende Modeschöpferin, lädt den Komponisten mit seiner Familie auf ihr Anwesen ein. Während seine Frau Catherine dort mit einer Lungenerkrankung kämpft, konzentriert sich Strawinsky ganz auf das Komponieren. Und auf seine Gastgeberin.

Es folgen zahlreiche explizite Sexszenen – auf dem Klavierstuhl, auf dem Fußboden und in Chanels Schlafzimmer. Vor der ersten Liebesnacht dreht Chanel immerhin noch den Bilderrahmen ihres verstorbenen Lebensgefährten Boy Capel um, der auf ihrem Nachttisch steht. Am nächsten Tag legt sie ihre schwarze Trauerkleidung ab und beginnt erstmals wieder Weiß zu tragen.

Mit metaphorischen Botschaften dieser Art versucht Kounen zu verdeutlichen, dass es sich hier um mehr als nur eine harmlose Affäre handelt. Dies tut er womöglich auch aus einem gewissen Rechtfertigungsdrang heraus. Denn in Chanels bewegter Biografie bildet Strawinsky eben nur eine kleine Anekdote.