Werner Schroeter erlag am Montagabend in einer Klinik in Kassel den Folgen seiner Krebserkrankung, wie seine Agentin Monika Keppler mitteilte. Der Regisseur hatte erst vergangene Woche seinen 65. Geburtstag gefeiert.

Schroeter gehörte zu den großen Vertretern des Neuen Deutschen Films. Zu seinen wichtigsten Arbeiten zählen das mit dem Goldenen Bären ausgezeichnete Gastarbeiter-Drama Palermo oder Wolfsburg (1980), die Ingeborg-Bachmann-Verfilmung Malina (1991) und das Filmessay Marianne Hoppe – Die Königin (2000). Zudem inszenierte Schroeter regelmäßig Theater- und Opernaufführungen in deutschen und ausländischen Städten. 

Der Künstler litt seit etwa drei Jahren an Krebs. Schon schwer von der Krankheit gezeichnet, wurde er im Februar während der Berlinale für sein Lebenswerk geehrt. Als "radikaler Außenseiter und großer Erneuerer des Neuen Deutschen Films“ erhielt er aus den Händen seiner ersten großen Liebe, dem Regisseur Rosa von Praunheim, den schwul-lesbischen Teddy Award.

Schroeter lernte sein Handwerk als Autodidakt. Ganze drei Monate hielt er es an der Filmhochschule in München aus – dann legte der gebürtige Thüringer einfach mit einer 8-mm-Kamera los. Bis zuletzt widersetzte er sich Video, Tricks und elektronischem Bildschnitt. Gleichwohl waren seine Werke opulent, schon bald nach seinem Start ins Filmgeschäft wurden auch die Theaterintendanten auf Schroeter aufmerksam. Am Schauspielhaus Hamburg entstand 1972 Emilia Galotti, in Bochum ein Jahr später Salome. Unzählige oft umstrittene Projekte folgten. Vor wenigen Wochen feierte an der Berliner Volksbühne Bernard-Marie Koltès Quai West Premiere. Insgesamt brachte es Schroeter auf mehr als 80 Theaterinszenierungen und drei Dutzend Filme.

Praunheim reagierte erschüttert auf die Nachricht vom Tod seines ehemaligen Wegbegleiters. Schroeter sei ein "großer Regisseur und wichtiger Freund" gewesen, sagte er. In einem für mehrere Zeitungen verfassten "Liebesbrief" nannte Praunheim seinen gestorbenen Kollegen einen "großen Außenseiter des deutschen Films und der Theaterbühne", einen "perversen Poeten" sowie einen "Zauberer des Lichts und der Schönheit".