Der Alb, dieser ungebetene Gast, bereitet den Menschen nicht nur schlaflose Nächte, sondern vor allem bitterböse Träume. Das mythologische Wesen entspringt einer vorchristlichen Überlieferung und ist wohl so etwas wie ein fabelgewordener Erklärungsversuch für den beschwerlichen Schlaf. Der Alb der Neuzeit ist zwar kein Koboldwesen mehr, aber noch immer ganz schön hässlich.

Freddy Krueger ist das neuzeitliche Sinnbild eines personifizierten Albtraums. Mit verbranntem Gesicht und flachen Sprüchen jagt er zum bereits neunten Mal die amerikanische Jugend über die Leinwand. 26 Jahre nach Kruegers Kinodebüt bringt der Produzent Michael Bay das legendäre Pizzagesicht des Horrorfilms wieder zurück in die Kinos.

Rein filmisch betrachtet mag das überflüssig erscheinen. Dennoch verrät uns die Rückkehr Kruegers wieder einmal etwas über die Befindlichkeit unserer Gesellschaft. Nightmare On Elm Street, der Originalfilm, spiegelte die Konfrontation der materialistischen Jugend der achtziger Jahre mit einer irrationalen Gefährdung. Nach Vietnam, Korea und den wärmsten Zeiten des kalten Krieges, gab es für die Amerikaner keine ernst zu nehmenden äußeren Bedrohungen mehr. Die Ängste und die existenziellen Sorgen verlagerten sich also bald nach innen. Auf das Seelenleben.

Krueger ist ein Ausdruck dessen. In seiner Figur manifestiert sich eine irrationale Angst vor dem Bösen und der Entfremdung. Die Schreckgestalt erscheint den Jugendlichen in ihren Albträumen und hat die Kraft, sie dort nicht nur zu verletzen, sondern auch zu töten. Im Laufe des ersten Films stellt sich heraus, das Krueger ein Kindermörder war, der von den Eltern der kleinen amerikanischen Dorfgemeinschaft als Vergeltungsakt bei lebendigem Leibe verbrannt wurde. Das Dorf schweigt sich seit diesen Geschehnissen aus und verharrt in einer Art unausgesprochener Kollektivschuld.

Freddy rächt sich nun als wiederkehrendes Schreckgespenst in den Träumen der zu Teenagern herangereiften Kinder. Er verkörpert aber nicht den unschuldigen Rächer. Er erinnert an die doppelte Schuld: die der Eltern und seiner eignen. Während die Eltern ihre Augen verschließen, gibt es für die Teenager letztlich nichts Schlimmeres. Sie wissen: Der Schlaf ist der Tod. Der Freddy des Jahres 1984 ist Sinnbild von Schuld und Entfremdung.

Verkam er dann im Laufe von insgesamt sieben trashigen Fortsetzungen vom Schreckgespenst zur Kultfigur, so rückt ihn Regisseur Michael Bay nun wieder ins flackernd-düstere Halbdunkel. Nightmare On Elm Street 2010 nämlich zeigt, dass die Angst vor dem Bösen keine irrationale Angst mehr ist, sondern in dem Schrecken der realen Welt begründet liegt. Freddy Krueger gibt den scheinbar unaussprechlichen Taten ein grausig verbranntes Gesicht. In seiner neuen Version macht Bay aus Krueger nicht nur einen Kindermörder, sondern gleich einen sadistischen Kinderschänder.