ZEIT ONLINE: Mr. Cioccarelli, wie bitte kommt man als Italiener darauf, auf der Karibikinsel Aruba ein internationales Filmfestival zu veranstalten?

Guiseppe Cioccarelli: Ich bin als Filmproduzent vor drei Jahren hierhergezogen, weil meine Familie hier eine schönere Zeit als im hektischen Rom hat, wenn sie zwischen zwei Projekten auf mich warten muss. Mit meinem besten Freund auf der Insel, Jonathan Vieira, und den hiesigen Behörden habe ich dann irgendwann angefangen zu überlegen, wie man mehr internationale Filmproduktionen zum Drehen hier auf diese Insel  bringen könnte. Von dem Zeitpunkt an war das Festival als Idee nicht mehr weit entfernt.

ZEIT ONLINE: Wie stampft man ein Festival aus dem Nichts?

Cioccarelli: Vor genau einem Jahr begannen wir mit den Planungen und sicherten uns zuerst die Unterstützung von Tourismusverband und Behörden. Dann ernannten wir die Filmfestival-Ikone Claudio Massenza zum künstlerischen Leiter. Er war lange Jahre für das Programm der Venedig-Filmfestspiele zuständig und kümmert sich auch heute noch um die Selektion in Rom. Wir köderten ihn damit, ihn gleichzeitig zum Präsidenten, Direktor und Deus ex Machina unseres Festival machen zu wollen. (lacht) Er musste quasi zusagen.

ZEIT ONLINE: Er war dann wohl auch dafür verantwortlich, dass ein Star wie Richard Gere Ihre Einladung zum Festival annahm.

Cioccarelli: Klar, Claudio ist unser Motor. Er ist nicht nur Vollprofi und Gentleman, sondern eben auch mit vielen Stars eng befreundet. Uns alleine wäre es wohl sehr schwer gefallen, jemanden wie Gere im ersten Jahr hierher zu locken. Aber Claudios Einladung ist er gerne gefolgt – eben weil sie seit Jahrzehnten befreundet sind.

ZEIT ONLINE: Was sind Ihre Langzeitziele, die all diesen Aufwand einmal rechtfertigen sollen?

Cioccarelli: Wir wollen eine intime Atmosphäre schaffen und mit diesem Charme die unterschiedlichsten Bereiche fördern: Wir wollen den Tourismus ankurbeln, das Kulturprogramm fördern, Filmproduktionen anlocken und die hiesige Jugend für das Medium begeistern. Sie sollen das Filmgeschäft lieben lernen, um selbst etwas auf die Beine zu stellen.

ZEIT ONLINE: Wie sah denn die Filmlandschaft in Aruba bislang aus?

Cioccarelli: Es gibt ein paar wenige Kinosäle, die alle demselben Besitzer gehören. Da werden dann natürlich auch nur Blockbuster gezeigt, weil die bei der Hitze noch die meisten Zuschauer anziehen. Als wir mit der Idee eines Festivals auf ihn zukamen, war er aber sofort als Unterstützer dabei. Für ihn ist das Festival eine gute Möglichkeit, sein Programm zu erweitern und neue Besucher anzulocken.