ZEIT ONLINE: The American ist ihre zweite Arbeit als Regisseur. Es heißt ja, der zweite Film sei der schwerste – besonders, wenn der erste so erfolgreich war wie Control, ihr Porträt des Joy-Division-Sängers.

Anton Corbijn: Aus wirtschaftlicher Sicht war Control nicht erfolgreich. Ich musste einiges aus eigener Tasche zahlen, weil der Produzent kurz vor Drehbeginn plötzlich sagte, dass kein Geld mehr da sei und ich nicht alle Leute wieder nach Hause schicken wollte. Ich musste sogar mein Haus in England deswegen verkaufen. Der Film war jedoch ein persönlicher Erfolg, ich bin immer noch sehr zufrieden und glücklich darüber.
Dieses Mal war vieles leichter. The American war das komplette Gegenteil: Diesmal war alles riesengroß, es war Hollywood – auch wenn es wie eine Independent-Produktion anmutet. Vieles war neu, und das ist immer ein Abenteuer, weil man seine eigene Handschrift in die Geschichte legen und sie zu seiner eigenen machen muss. Der Film sollte einfach anders aussehen.

ZEIT ONLINE: Der Film besitzt eine sehr starke Bildsprache, erzählt viel durch seine Kameraeinstellungen, durch die Schnitte, durch die Lichtsetzung. Wie sind sie an das Thema herangegangen?

Corbijn: Der Film basiert auf dem Buch A Very Private Gentleman von Martin Booth. Es geht um einen Menschen, der sein bisheriges Leben als Waffenschmied und Profikiller hinterfragt, jedoch von den Schatten seiner Vergangenheit eingeholt wird. Weil jedoch kaum gesprochen wird, musste ich dem Zuschauer vieles über die Visualität des Films mitteilen. Es war mir wichtig, eine Geschichte zu vermitteln, die sich vor allem im Inneren der Hauptfigur abspielt.

ZEIT ONLINE: Die Geschichte selbst ist ja eine sehr klassische.

Corbijn: Ja, das stimmt. Aber die Art und Weise, wie wir sie erzählen, ist neu. Der Film ist ruhig und bedächtig, bricht aber immer wieder aus. Vor allem George Clooney hält den Film mit seinem sehr reduzierten Spiel und ganz wenig Text zusammen, sodass man die Entwicklung seiner Figur durchgehend mit Interesse verfolgt. Ich habe George Clooney wirklich noch nie so gut spielen sehen wie in diesem Film. Er hat in seiner Rolle eine unwahrscheinliche Kraft entwickelt. Vielleicht sollte er öfter diese dunklen Charaktere verkörpern. Das scheint ihm zu liegen.

ZEIT ONLINE: Es gibt zwischen den Protagonisten Ihrer beiden Filme einige Parallelen. Beide sind sehr tragische Figuren, deren Leben sich verändert.

Corbijn: Ja, und beide sind Einzelgänger. Mich interessieren solche Einzelgänger-Geschichten, weil sie mich ein wenig an mich selbst erinnern. Ich denke, etwas in der Richtung wird es auch beim nächsten Mal wieder werden. Doch die Art und Weise, wie man eine Geschichte darum herum baut, sollte möglichst eine andere sein. 

ZEIT ONLINE: George Clooney hat sich auch als Produzent am Film beteiligt. Hat er inhaltlich noch etwas eingebracht?

Corbijn: Nein. Aber mir hat das die Chance eröffnet, auf sein Wissen über das Filmemachen zurückgreifen zu können. Er ist ja nicht nur Schauspieler, sondern hat selbst bereits bei drei Filmen Regie geführt. Er hat deutlich mehr Erfahrung als ich, genauso wie der Rest meiner Crew. Ich habe irgendwann verstanden, dass ich meine Filme dadurch mache, dass ich das Wissen Anderer benutze, um am Ende die Lorbeeren dafür einzufahren.