Darum verändern sich die Moderatoren selbst, wenn sie vom Rand ins Zentrum drängen. Als Sandra Maischberger in einem Mini-Studio für n-tv-Politiker interviewte, war sie eine an Fakten orientierte, bissige Journalistin. Jetzt ist sie zu einer zufriedenen Pflegemutter des ARD-Geronto-Talks mutiert. Harald Schmidt blieb sich treu, aber damit auch der kleinen Form.

Einige TV-Leute mit Eigensinn haben sich, wie Friedrich Küppersbusch, als Produzent hinter die Kamera begeben. Andere wie Gert Scobel bei 3Sat, Christoph Süß im BR oder Thea Dorn für die SWR-Literatur haben ihr eingehegtes Plätzchen gefunden. Es gibt auch Talente, ausgestattet mit überdurchschnittlicher Sprach- und Erklärbegabung, die im Dritten versauern. Steffen Hallaschka gehörte bis vor wenigen Tagen dazu. Dass Stern TV ihn nun zum Nachfolger von Günther Jauch promoviert, ist ein ebenso kluger wie mutiger Schachzug.

Andere, meist wortmächtig argumentierende Intellektuelle, sind zwar eitel genug, um gerne im Fernsehen aufzutreten und meinen ihre jeweiligen Standpunkte auch sehr ernst, aber letztlich besetzen Henryk M. Broder, Roger Willemsen, Matthias Matussek, Roger Köppel oder die Stets-irgendwas-Aktivistin Hannah Poddig doch nur den Talkshow- Polarisierer-Stammplatz. So wird der kluge Außenseiter ins Clownskostüm gesteckt.

Zum Quotendruck im Hauptprogramm passt scheinbar nur ein glatter Moderator. Optisch opulent sind die Quiz-Sendungen aller Art inzwischen geworden. Der Inhalt strotzt vor wichtigtuerischer Belanglosigkeit. Dass Churchill den Literaturnobelpreis gewann und Angela Merkel beim Mauerfall in der Sauna war – solch augenzwinkerndes Zufallswissen ist für die Fernsehgemeinde typisch. Das Quiz ist zur Volksmusik unserer Tage geworden. Alles muss leicht verträglich sein, lieb und possierlich. Wellness für die Seele will dieses Massenfernsehen sein, das Personal ist entsprechend serviceorientiert. Wo die Banalität der großen Zahl regiert, bleibt für den Moderator nur noch das "suaviter in modo" übrig, ein "fortiter in re" könnte verschrecken.

Der Ausweg? Wir brauchen ein Wagnis-TV, so wie es Wagnis-Kapital gibt, oder den "arthouse"-Film. Die Typen dafür wären schnell bei der Hand. Aktuell aber ist der Markt durch simples Sparen und Konfektionieren so konsolidiert, dass der Veränderungsdruck schwindet. Noch reicht die alles relativierende, stets freundliche Schwammigkeit aus für erfolgreiche Massenkommunikation via Fernsehen.

Zuerst erschienen im Tagesspiegel