Vier israelische Soldaten sitzen in einem Panzer. Kurze Durchsage: Ihr seid jetzt im Libanon. Der Panzer rumpelt durch Felder und über Schotterwege. Wieder knarzt das Funkgerät: Bleibt wo ihr seid, alles Weitere demnächst. Die Soldaten warten. Es stinkt, es ist eng und heiß, die jungen Männer schwitzen, sind schmutzig, müde und gelangweilt.

Kurze Zeit später naht ein erstes Auto, und schon befinden sich die Vier im Panzer und der Zuschauer im Kino nicht mehr nur im Libanon, sondern mitten im Krieg. Es kracht, es fallen Schüsse, Stress, Stress, Stress. Es gibt Tote. So schnell geht das. Und so lapidar stellt Samuel Maoz in seinem Film Lebanon schon zu Beginn klar: Diese Soldaten sind keine Helden. Dieser Krieg ist grausam. Dieser Panzer ist potenziell ein Sarg.

Lebanon ist, natürlich, ein Antikriegsfilm. Es ist ein sogenannter Combat-Film, der sich wie alle Vertreter seines Genres, den zufällig zusammengewürfelten Charakteren einer Einheit nähert, die – gerade in die Gefechtssituation geworfen – erst herausfinden müssen, wer sie sind, was sie können und was sie moralisch ertragen.

Wie alle Combat-Filme ist auch Lebanon die Geschichte einer Häutung: Am Anfang sehen wir vier junge Männer, ein jeder von ihnen mit einer eigenen Geschichte, einer Familie, mit Ängsten und Hoffnungen. Übrig bleiben nach 92 Minuten Kriegsfilm vier Soldaten und ein Ziel: irgendwie da raus kommen.

Für diese Darstellung des subtilen, aber grundlegenden Verfalls von Moral und Menschlichkeit ist Samuel Maoz’ Film in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet worden. Die Entscheidung war allerdings nicht unumstritten: Der Film war zuvor sowohl bei der Berlinale als auch in Cannes abgelehnt worden.

Es ist kein moralischer Film, anders als die Kriegsfilme der Siebziger und auch anders als Joseph Cedars Beaufort über den Abzug der Israelischen Armee aus dem Libanon, der 2007 auf der Berlinale lief. Und anders auch als Ari Folmans Waltz with Bashir , der 2008 in Cannes zu sehen war und der das Massaker von Sabra und Schatila thematisierte. Hier ist der Krieg einfach nur ein Umstand, ist einfach da, kennt kein Ziel und niemand scheint wirklich verantwortlich.